Politik
05.12.2011

Viel Aufregung um Rindviech Yvonne

Seit zwölf Wochen streift Ausbrecherin Yvonne durch die Wälder. Auch ein Heli mit Wärmebildkamera hat sie nicht entdeckt.

Es ist 5.30 Uhr, zapfige Morgenstimmung, leichter Bodennebel am Flugplatz Mühldorf in Oberbayern. Das zwölfköpfige Aiderbichl-Team und eine Handvoll Journalisten schart sich erwartungsvoll um einen Helikopter mit Wärmebildkamera. "Heute spüren wir Yvonne auf und fangen sie", ist Johannes Wintersteller vom Gut Aiderbichl überzeugt -, "aber das hab' ich in den vergangenen Tagen ja auch schon gesagt", fügt er leise hinzu.

Etwa zwei Stunden kreist der von einem bayrischen Radiosender gesponserte Heli über ein fünf mal fünf Kilometer großes Gebiet bei Zangberg. "Ich seh' was! Ein springendes Reh", bleiben die einzigen aufregenden Botschaften von dem Spürhund aus der Luft. "Es ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen."

Farbenspiel

Die 40.000€ teure Wärmebildkamera wurde extra aus Dresden geholt, um mit ihr Jagd auf die "IQ-Kuh" zu machen. "Die Kuh hat eine Temperatur von 38 Grad. Der Wald hat am Morgen etwa 15 Grad. Da hebt sich Yvonne gut ab. Warme Körper werden rot angezeigt", erklärt Thermograf Hendrik Vogt.

Pilot Lollo Speck überfliegt den Wald auf 500 Fuß Höhe. Am Boden warten die Aiderbichler auf ihren Einsatz. Die Zeit vertreibt man sich mit Scherzen: "Die Kuh hat sich verbuddelt oder als Hirsch verkleidet." Tier- und Jagdprofi Heino Krannich wurde extra aus Hannover geholt, um Yvonne zu stellen. "Normalerweise habe ich so was in einer Stunde
erledigt", meint der Abenteu- rer, der auch vor Einsätzen mit Tigern, Wölfen oder Elefanten nicht zurückschreckt.

Kontakt

Doch Yvonne ist kein "Normalfall". "Ich hatte da von Anfang an nicht so ein prickelndes Gefühl, ich hatte keinen Kontakt, die Spiritualität fehlte", meint Krannich. Als das Hubschrauberteam schließlich aufgeben muss, freut sich der Tierexperte irgendwie: "Das Suchen ist der Fehler. Das Tier muss kommen. Es hat panische Angst", meint Krannich.

Die Tierschützer wollen jedenfalls nicht aufgeben, denn Yonne droht der Abschuss. "Bis 26. August wurde der Abschuss ausgesetzt. Dann können zwei Jäger von hier offiziell Jagd auf sie machen", erklärt Wintersteller. Die Ideen sind den Kuhrettern noch nicht ausgegangen. Wenn das Territorium von Yvonne besser eingegrenzt werden kann, soll Sohn Friesi als Lockvogel zum Einsatz kommen.

Britta Meurer und Tochter Eva helfen bei der Suche. Sie waren die ersten, die Yvonne in freier Wildbahn trafen. "Vor zehn Wochen waren wir mit dem Hund draußen. Dabei haben wir Yvonne gesehen und den Jagdpächter verständigt. Dass daraus so ein Medienrummel wird, hätte ich nie gedacht."

Tatsächlich wurde das kleine Zangberg in Oberbayern zum Medienmekka "Wir hatten amerikanische und französische Fernsehteams hier. Auch BBC und New York Times haben berichtet", erzählt Britta Freytag vom Gut Aiderbichl. Im Ort selbst sind die Meinungen geteilt. "Es gibt Stimmen, die sagen: So eine Aufregung wegen einem Rindviech. Aber das ist uns wurscht. Wir fiebern mit", lacht Meurer. Mit "Yvonne du wuide Kua" hat der Tierstar mittlerweile sein eigenes Lied. Komponiert wurde es vom heimischen Musiker Valentin Dasch.