USA: 6,3 Mio. Dollar für Missbrauchsop­fer

Foto: apa

Nach jahrelangem Gerichtsstreit wird ein ehemaliger Ministrant entschädigt, der von einem Priester missbraucht wurde.

Ich bin erleichtert", sagt James Wisniewski. Neun Jahre lang hat der ehemalige Ministrant aus Belleville, US-Bundesstaat Illinois, vor Gericht gekämpft. An einen Sieg glaubte er nicht mehr. Nun wurde ihm während eines Gerichtstermins ein Scheck übergeben: 6,3 Millionen US-Dollar (umgerechnet 4,39 Millionen Euro) zahlen die Diözese von Belleville und ihre Versicherung als Entschädigung - dafür, dass James Wisniewski als Kind jahrelang von einem Priester sexuell missbraucht wurde. Die Diözese soll den Täter gedeckt haben.

Die Geschworenen hatten dem Opfer bereits vor drei Jahren fünf Millionen Dollar zugesprochen. In der jetzigen Gesamtsumme sind unter anderem auch die seither angefallenen Zinsen enthalten. Wie viel Geld die Diözese selbst aufbringt und wie viel die Versicherung übernimmt, wurde nicht bekannt gegeben.

Vertuscht

James Wisniewski war im Jahr 2002 vor Gericht gegangen. Er sei in den 70er- Jahren, als er in der Kirche von Salem Ministrant war, Dutzende Male vom Priester sexuell missbraucht worden, so die Vorwürfe. Der Täter, der heute 76-jährige James Kownacki, wurde 1995 vom Dienst entbunden. Doch kirchliche Dokumente und Zeugenaussagen zeigen, dass man in der Diözese schon lange darüber Bescheid wusste, dass Kownacki mehrere Kinder missbraucht hatte. Dennoch wurde er in anderen Pfarren weiter eingesetzt.

James Wisniewski berichtete, dass die sexuellen Übergriffe begannen, als er 13 Jahre alt war. Kownacki habe ihm damals immer wieder eine Pistole gezeigt - und ihm erklärt, er werde seine Eltern töten, wenn er jemals etwas verriete.

Keine Entschuldigung

"Er hat niemals Hass auf Kownacki gezeigt", sagt Mike Weilmuenster, der Anwalt des Opfers. "Er ist nur zerstört." Und: "Die Diözese hat bis heute nicht anerkannt, dass er missbraucht wurde. Auch eine Entschuldigung gab es nie." James Wisniewski arbeitet heute als Konsulent im Gesundheitswesen. Was er mit dem Geld tun will, ist laut seinem Anwalt noch unklar. "Das Geld ist für ihn nicht das Wichtigste." James Wisniewski sei immer noch Katholik: "Im Glauben, aber nicht in der Praxis."

Entschädigung: Die höchsten Summen

Viele Missbrauchsfälle US-Diözesen mussten auch in der Vergangenheit immer wieder hohe Entschädigungssummen an die Opfer von Missbrauch durch Priester zahlen. Die Erzdiözese Boston einigte sich 2003 mit 552 Opfern auf 85 Millionen Dollar. 2005 zahlte die Diözese von Covington, Kentucky, 120 Millionen Euro an viele Missbrauchsopfer. 2007 erklärte sich die katholische Kirche in Los Angeles bereit, die Rekordsumme von 660 Millionen Dollar an mehr als 500 Missbrauchsopfer zu zahlen.

(kurier) Erstellt am
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