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Politik
05/06/2012

Trennungsschmerz

Wenn Haustierhalter auseinandergehen, dürfen Vierbeiner nicht auf der Strecke bleiben. Wie Stress und Tierheim vermieden werden.

von Hedwig Derka

Frühlingsgefühle, Wonnemonat. Doch allzu oft endet, was einst im Mai mit Verliebtheit begann, im Streit. Er schreit, sie weint oder umgekehrt. Sie kommt nicht heim, er schweigt oder umgekehrt. Haustiere sind Gewohnheitstiere. Sie bekommen Veränderungen rasch mit. Dicke Luft, Wortgefechte und Tagesabläufe außer der Routine gehen vor allem an Hunden und Katzen nicht spurlos vorüber. Scheiden tut weh.

„Menschen leiden unter einer Trennung. Natürlich leiden Vierbeiner mit", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß, wie empfindsame Haustiere das Gefühlschaos ihrer Besitzer am besten überstehen.

Gewohnheiten

„Haustiere sind Familienmitglieder und auch in schwierigen Lagen als solche zu behandeln", sagt die Expertin mit vollem Verständnis für die Ausnahmesituation zerrütteter Paare. Doch deren Schützlinge brauchen ein möglichst stressfreies Umfeld. Hund und Katze dürfen keinesfalls von einem Tag auf den anderen vernachlässigt werden. Ebenso unangebracht ist es, den Vierbeiner plötzlich in den Mittelpunkt zu rücken. „Zuwendung, Streicheln und spielerische Entspannung: Ja. Aber nicht verhätscheln", sagt der KURIER-Tiercoach.

Ein Leben ohne allzu viele Änderungen ist das Beste für Haustiere. Andernfalls können sie mit verstörenden Verhaltensmustern reagieren. Katzen neigen zu übermäßiger Fellpflege, Unsauberkeit und miauen weit häufiger als zuvor. Hunde fressen den Stress mit Futter in sich hinein oder verweigern die Nahrungsaufnahme. Auch übertriebenes Bellen kann Folge von Streit und Unruhe daheim sein. Die Verunsicherung zeigt sich eventuell in völligem Rückzug oder außerordentlicher Anhänglichkeit, in Unfolgsamkeit, nicht selten in Zerstörungswut.

Vertrag

„Kinderlose Paare sehen in ihrem Haustier oft ein Ersatzkind", sagt Schratter. Ein Ehevertrag in guten Tagen kann die Entscheidung über den Verbleib des gemeinsamen Lieblings in schlechten Tagen vorwegnehmen. Sind keine Vereinbarungen festgeschrieben, sollten sich Paare, die ein Auseinandergehen erwägen, rechtzeitig Gedanken zum Vierbeiner machen. „Katzen bleiben besser in ihrer gewohnten Umgebung. Hunde sind besser bei der Bezugsperson aufgehoben", gibt die Expertin als Richtlinie aus. Doch auch Hunde können sich an Änderungen im Rudel anpassen. Vor allem, wenn sie die neue Situation als angenehm empfinden. Tiere leben intensiv im Hier und Jetzt, das hilft.

Streit Paare, die sich privat nicht einigen, können vor Gericht ziehen. Tiere, die in der Ehe angeschafft wurden, unterliegen der Aufteilung, sie zählen als Sache – wie Möbel und TV-Gerät. Der Richter entscheidet. Ausnahme sind Tiere mit Beruf. Bei z. B. Lawinen- oder Blindenhund gibt es keinen Zweifel über die Besitzverhältnisse. In die Ehe mitgebrachte Tiere gehören dem Erwerber. „Besuchsrecht wird immer öfter ausjudiziert", weiß Schratter. Sie hält die geteilte Betreuung für eine „durchaus gute Lösung". In Deutschland gibt es darüber hinaus bereits einen Präzedenzfall bezüglich Unterhaltspflicht.

„Es kommt nicht selten vor, dass Scheidungstiere im Tierheim landen. Das ist das Schlimmste", bedauert der Tiercoach und appelliert an die Vernunft: „Menschen im Gefühlschaos müssen versuchen, ihre Probleme nicht auf das Haustier abzuladen. Das sagt sich leicht. Trotzdem: Sie müssen es ernsthaft probieren."

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