Politik 05.12.2011

"Töchter" kommen fix in die Bundeshymne

Ab Jänner 2012 werden in der Bundeshymne nicht nur die Söhne, sondern auch die Töchter besungen - wie Rauch-Kallat es wollte.

In Triumphgeheul bricht sie nicht aus. Aber Maria Rauch-Kallat freut sich sehr. Schließlich soll eines ihrer frauenpolitischen Langzeit-Projekte im Herbst vollendet werden: "Ich bin sehr zufrieden", sagt die 62-Jährige zu der nun doch geplanten geschlechtsspezifischen Änderung der Hymne.

Sechs Jahre ist es her, da unternahm Maria Rauch-Kallat via KURIER dazu ihren ersten Anlauf. Die Bundeshymne müsse den Frauen gerecht werden. Es sollten daher nicht nur die "großen Söhne", sondern auch die Töchter besungen werden. Sprache präge Bewusstsein. Die Zeit sei reif, forderte die damalige Frauenministerin.

Am Ziel

Am Mittwoch schließlich erreichte die erfahrene Politikerin ihr Ziel. Schon ab Jänner 2012 sollen in der Hymne nicht nur die Söhne, sondern auch die Töchter vorkommen. Das wird der Nationalrat im Herbst beschließen.

Dass dieser Schritt an Gleichberechtigung nach so langer Zeit wider Erwarten so rasch gesetzt wird, ist der Hartnäckigkeit der Langzeit-Politikerin zuzuschreiben. Sie wollte am vergangenen Freitag als letzte Rednerin der Sitzung des Nationalrates eine 5-minütige Rede halten; unter anderem zur Hymne, um danach einen überparteilichen Antrag auf eine Textänderung einzubringen. Die Rede war als ihre Abschiedsrede geplant. Rauch-Kallat, die für den ausgeschiedenen ÖVP-Mann Wilhelm Molterer auf der Liste nachgerückt ist, will wieder ausscheiden, sobald fix ist, dass eine Frau ihr Mandat bekommt.

Doch es kam ganz anders. Rauch-Kallat erzählt, sie habe etwa 14 Tage vor der Sitzung mit Klubchef Karlheinz Kopf über ihr Anliegen gesprochen. Weil er wissen habe lassen, dass dies erst ausführlich im ÖVP-Klub diskutiert werden müsse, sei ihr klar gewesen, dass die Bundeshymne kein Thema sein solle.

So beschloss sie, woanders Verbündete zu suchen.

Unsportlich

Platz für Töchter: Wie der Text genau geändert wird, ist noch offen. Das Parlament will Experten dazu anhören.
© Bild: KURIER/Gnedt

Karlheinz Kopf muss während der Nationalratssitzung von der "Geheimaktion Bundeshymne" erfahren haben und fragte bei ihr nach. Rauch-Kallat: "Ich habe ihm gesagt: ,Nimm's sportlich'. Die Frauen können doch eine überparteiliche Initiative starten. Und er hat mir darauf gesagt, dass ich gar keine Gelegenheit mehr haben werde, zu reden." Der Rest dieser Sitzung sorgt seitdem für Empörung und dürfte Rauch-Kallats Vorhaben eilig zum Durchbruch verholfen haben: Männliche ÖVP-Abgeordnete, die vor ihr auf der Rednerliste standen, überzogen ihre Redezeit derartig, dass der früheren Ministerin, ÖVP-Frauenchefin und Generalsekretärin keine Zeit mehr für ihre Rede blieb. "Ich habe den Gesetzesantrag genommen und direkt am Präsidium, bei den Beamten der Präsidentin, abgegeben."

Auf die Frage, ob sie nun vielleicht doch noch so lange im Nationalrat bleiben will, bis der neue Text der Bundeshymne abgestimmt wird, sagt sie : "Das hätte einen gewissen Reiz." Sie klingt etwas verschmitzt dabei und plädiert für eine offene, namentliche Abstimmung im Plenum.

Damit sich die Ohren der Österreicherinnen und Österreicher an die neue Version der Hymne gewöhnen können, plant Rauch-Kallat nun noch ein letztes Projekt: Die Sopranistin und gefeierte Lied-Interpretin Ildikó Raimondi wird die Hymne - mit Töchtern und Söhnen - auf CD schmettern.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011