Tod von Tim V. wird Fall für Staatsanwalt

Tim V., Drogentoter
Foto: Dominik Schreiber Dr. Parsian wehrt sich gegen Vorwürfe zum Tod von Tim V.

Der Ex-Primar gibt zu, dem 20-Jährigen Methadon verschrieben zu haben. Ein kopiertes Rezept war dafür ausreichend.

Der Tod des 20-jährigen Tim V. wird zum Fall für den Staatsanwalt.

Zunächst laufen noch die Ermittlungen des Wiener Landeskriminalamtes (Gruppe Dirry) wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung. Wie berichtet, dürfte ein Wiener Arzt dem jungen Mann Methadon verschrieben haben, am gleichen Tag war er tot. Gestorben offenbar an den Folgen einer Überdosis Methadon.

Im Interview spricht der betroffene Arzt Manutschehr Parsian darüber, warum er V. das Rezept ausstellte.

KURIER: Tim V. war am 1. Juli bei Ihnen, haben Sie ihm da Methadon verschrieben?
Manutschehr Parsian:
Ja.

Warum?
Er war heroinsüchtig.

Woher wussten Sie das?
Ich hab ihm Blut und Harn abgenommen und dort fand ich alles: Heroin, Kokain ...

Haben Sie ein Labor in Ihrer Praxis? Tim V. war ja das erste Mal bei Ihnen und normal dauert es ein paar Tage, bis es so einen Befund gibt.
Nein, diese Werte habe ich erst nachher bekommen.

Wieso haben Sie ihm dann Methadon verschrieben?
Er kam ja von einem anderen Arzt und er hatte eine Rezeptkopie dabei, wo das eben so draufstand.

Also Sie verschreiben einem Drogensüchtigen Methadon, nur weil er bei Ihnen mit irgendeinem kopierten Rezept in der Ordination auftaucht?
Ja, er kam doch von einem anderen Arzt damit zu mir.

Interessant ist aber, dass Tim zwei Monate vorher im Anton-Proksch-Institut war. Dort wurde nur eine Abhängigkeit von Tranquilizern und THC (Cannabiswirkstoff, Anm.) festgestellt ...
Ja, genau, THC war auch in seinem Blut.

Aber wie erklären Sie sich, dass in diesem Befund kein einziges Wort von Heroin steht? Oder wurde er in zwei Monaten heroinabhängig und kam gleich in das Methadonprgogramm?
Wissen Sie, diese Institute arbeiten ganz anders als ich. Ich bekomme so etwas aus den Hinterköpfen der Menschen heraus. Er hat mir ja gesagt, dass er Methadon haben will. Der hat doch alles genommen, was es gegeben hat.

Am Abend nach dem Besuch bei Ihnen und der Apotheke war er jedenfalls tot. Glauben Sie, dass das Methadon schuld daran war?
Also mir hat das wirklich auch von Herzen leid getan, was da passiert ist. Aber wer weiß, was diese Menschen tagsüber machen, was die sich alles reinhauen. Er kann ja auch irgendeine Drogenparty am Abend gemacht haben, was weiß denn ich?

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(kurier) Erstellt am
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