Politik
22.01.2012

Tiercoach: Schlechtwetterprogramm

Winterzeit ist Spielzeit daheim. Wer seinen Hund in der Wohnung müde machen will, hält sich an Regeln und fordert ihn geistig.

Finster oder grau, frostig oder feucht: Wenn sich der Winter von seiner unangenehmen Seite zeigt, hält sich die Freude an ausgedehnten Spaziergängen in Grenzen. Zumindest bei den meisten Zweibeinern. Die Mehrzahl der Vierbeiner drängt trotzdem hinaus. Ob Regen oder Schnee, Gassigehen muss sein, der tägliche Auslauf bleibt Pflicht. Damit Hunde auch bei anhaltendem Hundewetter nicht zu kurz kommen, bietet die Freizeitindustrie Indoor-Spielzeug zum Auspowern an. Es kann aber auch improvisiert werden. Winterzeit ist Spielzeit daheim.

„Es gibt Hunde, die lieben den Regen, und Hunde, die komplett wasserscheu sind. Meine Hündin hasst den Regen, aber sie mag den Schnee“, erzählt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn hat Tipps, wie Hunde ihre überschüssige Energie mit abwechslungsreicher Beschäftigung abbauen, ohne die Wohnung dabei zu verwüsten.

Spielbeginn

Die wichtigste Spielregel für Mensch und Tier lautet: „Der Heimtierbesitzer legt fest, wann gespielt wird.“ Der Aufforderung des Hundes zum Spielen soll nicht sofort nachgekommen werden. „Warten Sie ein bisschen“, empfiehlt Schratter. Der Herr im Haus eröffnet immer die Partie.

Regel Nummer zwei heißt: „Spielen Sie in kurzen Zeiteinheiten von bis zu dreißig Minuten.“ Der Hund braucht Muße. Hektisches Gehabe ist kontraproduktiv – vor allem bei Lernspielen. Auch stundenlanges Spiel überfordert das Tier.

Regel Nummer drei ist ein dringendes Verbot: „Kampfspiele sind nirgendwo erlaubt.“ Der spielerische Trieb kann in aggressives Verhalten umschlagen und zu Verletzungen führen. Raufereien sind maximal zwischen Hunden zu dulden.

Regel Nummer vier betrifft junge Spieler: „Kinder dürfen nie unbeaufsichtigt mit Hunden spielen.“ Sie sind dem Gegner nicht gewachsen.

Spielsieger sind Mensch und Tier. Der gemeinsame Zeitvertreib stärkt die Bindung. Das Spielziel ist erreicht, wenn der Hund körperlich und geistig gefordert war, müde ist und beide Partner Spaß hatten.

Spielzeug

„Sehr beliebt sind Futterversteckspiele“, sagt der KURIER-Tiercoach. Statt Trockenfutter in den Napf zu geben, kann es mit verschiedenen Aufgaben verbunden werden. Riechorgan und Konzentration sind zum Beispiel gefragt, wenn das Futter unter einer alten Decke versteckt ist. Oder wenn die Decke zum Aufspüren der Belohnung auseinandergefaltet werden muss. Die Nascherei kann auch in einer kleinen Kartonrolle verpackt sein, ein paar Nieten erhöhen die Spannung.

Manche Hunde haben zudem das Zeug zum Zocken. „Das Hütchenspiel funktioniert auch bei vielen Vierbeinern“, sagt Schratter. Drei Plastikbecher stehen vor der kalten Schnauze, unter einem verbirgt sich ein Leckerli. Nach dem raschen Verschieben der Hütchen muss der Hund das für ihn gewinnbringende finden. Suchspiele können durch die ganze Wohnung führen. Dabei begibt sich der Hund auf die Fährte von zwei bis zehn versteckten Socken.

„Mentales Training strengt Hunde auch körperlich an. Doch gerade junge Hunde suchen richtige körperliche Auslastung“, sagt die Expertin. Ein Bewegungs-Parcours über Schuhkartons und durch Deckentunnels lässt sich in den eigenen vier Wänden aufbauen. Das Tempo muss freilich an die Wohnungsverhältnisse angepasst sein. Das gilt ebenso für Indoor-Ballspiele aller Art. Nachsatz von KURIER-Tiercoach: „Auch beim Apportieren geht es nicht darum, möglichst weit zu schießen.“ Sondern darum, dass der Hund Stöckchen, Kauknochen und Lieblingsspielzeug wieder bringt.

So wird das Gassigehen zum Spaziergang

Hunde brauchen täglich Auslauf, auch bei Regen und bei Schnee. Das dichte Winterfell bewahrt sie in der Regel vor Kälteschäden. Ein paar Erziehungstricks helfen, dass auch die Heimkehr keine Spuren hinterlässt. Gesunde Hunde in Bewegung sind ausreichend durch ihr Deckhaar vor Frost geschützt, die feine Unterwolle wärmt zusätzlich. Auf kaltem Boden sollen die Vierbeiner trotzdem nicht lange sitzen, das kann zu Blasen- und Nierenkrankheiten führen. Schnee-Fressen macht übrigens selten krank.

Winterkleidung brauchen die wenigsten Hunde: „Extreme Temperaturen machen nur Ausnahme-Rassen wie dem Greyhound oder gesundheitlich angeschlagenen Tieren zu schaffen. Dann empfiehlt der Tierarzt Mäntel“, sagt Zoodoc Thomas Voracek aus dem KURIER-Tiercoach-Team.

Salz Hundeschuhe sind ebenfalls meist überflüssig. Streusalz und Chemie gegen Glatteis dürfen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Empfindliche Pfoten können mit Hirschtalg oder Spezialcremen eingeschmiert werden. Das verhindert zudem, dass pappiger Schnee an den Ballen verklumpt. „Wischen Sie die Pfoten nach dem Spazierengehen mit einem feuchten Tuch ab, rubbeln Sie den ganzen Hund trocken. Am besten, Sie legen ein großes Handtuch zur Eingangstür“, sagt der Experte, „dann bleibt auch die Wohnung sauber“.

Erziehung Schlaue Vierbeiner mit nassem Fell helfen mit und lernen, sich schon vor Betreten der Wohnung kräftig abzuschütteln. Auch damit wird das Schmutzaufkommen reduziert. Sie können auf Kommando reagieren: Jedes Mal, wenn der Hund Wasser abbeutelt, sagt der Hundehalter zum Beispiel „schön schütteln“ und lobt bzw. belohnt seinen Liebling im Anschluss. Übung macht den Meister – auch an sommer-sonnigen Badetagen. Ein Handtuch als Pfotenabtreter hält das Vorzimmer trocken und sauber.