Politik
01.02.2012

Strache verwickelt sich in Widersprüche

FPÖ-Chef Strache verstrickt sich in der Affäre um seine Sager über die "Reichskristallnacht" und "neue Juden".

Es waren 796.000 Zuseher vor dem Fernseher dabei, als Heinz-Christian Strache versuchte, sich zu rechtfertigen. Versuchte. Denn klar war auch nach der ZiB2 am Dienstag nicht, ob er sich nun von der Aussage distanzierte – die er doch im selben Atemzug wiederholte. Der Standard hatte am Montag berichtet, der FPÖ-Chef habe am Freitag auf dem WKR-Ball die Proteste gegen den Ball mit der sogenannten Reichskristallnacht verglichen; mit jenen antisemitischen Pogromen 1938, bei denen 400 Menschen ermordet wurden. Und er soll gesagt haben, Burschenschafter seien „die neuen Juden“.

Seither streiten Standard und Strache, wer die Wahrheit sagt. Fix ist: Es war kurz vor Mitternacht, es begann als kleine, dreiköpfige Runde. Keine Drinks, eine nüchterne Konversation. Strache bestreitet auch gar nicht, die Worte gesagt zu haben. Aber es handle sich um „Verdrehungen“, der Journalist Tobias Müller habe ein Gespräch mit Klaus Nittmann belauscht, dem Geschäftsführer des FPÖ-Bildungsinstitutes. Stimmt nicht, sagt Müller: Er und seine Begleiterin hätten mit Strache ein Gespräch geführt.

Von „Belauschen“ könne keine Rede sein. Strache sagte in der ZiB 2, der Sager über „neue Juden“ sei ein Zitat von Jörg Haider, über das er mit Nittmann diskutiert habe. Und er habe die Proteste nicht mit den Pogromen verglichen, sondern darüber, „wie es zu Massenpsychosen“ komme, gesprochen, weil Ballbesucher ihm ihre „Todesängste“ bei der Anreise geschildert hätten.

Auf den Einwand von ORF -Anchorman Armin Wolf, dass er nun erst recht die Pogrome mit den Demos vergleiche, ging Strache nicht ein.

Krank

„Der Name Haider ist im gesamten Gespräch nicht gefallen“, sagt Müller zum KURIER. Er würde auch vor Gericht bei seinen Angaben bleiben – und seine Begleiterin würde diese stützen. Auf Seiten der FPÖ ist Nittmann der einzige Zeuge. Er war für ein Interview krankheitsbedingt nicht erreichbar.

Strache sagte in der ZiB2 , er sei von Verfassungsschutzbeamten begleitet worden, die seien dabei gestanden. Müller: „Es waren nie mehr als sechs Leute in der Runde.“ Er und seine Begleiterin hätten das Gespräch mit Strache begonnen, nach Nittmann sei nur mehr ein Ehepaar dazugestoßen: „Die waren beide über 80 Jahre alt.“ Es bleibt die Frage: Wieso klagt die FPÖ nicht, wenn Strache auf seiner Version der Geschichte beharrt? Aus der FPÖ-Zentrale heißt es, man diskutiere das noch – aber „ergebnisoffen“.

Hofburg inside - Nein zu Orden vier Mal im Jahr

Gab’s das schon? Dass der Ministerrat die Verleihung eines Ordens beschließt – und der Bundespräsident, wie nun bei Heinz-Christian Strache, die Verleihung verweigert? „De facto gab es das noch nie“, sagt Hans Magenschab, langjähriger Pressesprecher von Präsident Thomas Klestil. Der einzige dokumentierte Fall einer Ordensaberkennung war NS-Arzt Heinrich Gross, der aufgrund seiner Verwicklung in das Euthanasie-Programm Am Spiegelgrund das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verlor.

In der Regel klären Antragsteller vorab, ob es Einwände gibt – und verzichten auf die Peinlichkeit, dass der Bundespräsident verweigert. Geschätzte drei bis vier Mal pro Jahr werden bei Ehrenzeichen Personen vorgeschlagen, die die Hofburg ablehnt.

Für Aufregung sorgte vor Jahren eine Ehrenmedaille, die Jörg Haiders Vater Robert bekam. Aufgrund seiner NSDAP-Vergangenheit regte sich Widerstand, doch Haider behielt die Medaille. Er habe sie, so die Erklärung, nicht als Person, sondern für ehrenamtliches Engagement bekommen.

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