Politik
05.12.2011

SPD-Lästermaul will Merkel fordern

Peer Steinbrück, einst Finanzminister in der Großen Koalition, positioniert sich als roter Kanzlerkandidat ohne SPD-Plazet.

Sein massiver Druck im Windschatten Amerikas killte das Schweizer und österreichische Bankgeheimnis. Danach triumphierte er: "Schon die US-Kavallerie bei Fort Yuma musste nicht ausreiten, für den Sieg über die Indianer reichte, dass sie da war." Steinbrücks Erfolg ärgert die Schweizer bis heute - und deutsche Steuersünder.

Der unnötige Sager war typisch: Nicht nur Gegner demütigt Steinbrück, auch SPD-Linke: "Heulsusen", schmähte er sie einst. "Das funktioniert immer", bestätigte Wolfgang Schäuble, sein Nachfolger als Finanzminister: "Je mehr man sich mit Eigenen anlegt, desto größer ist die Zustimmung der Öffentlichkeit." Schäuble, selbst umstritten in seiner CDU-FDP-Koalition, sagte das in der Laudatio auf das "Sachbuch des Jahres 2011", auf Steinbrücks Bilanz als Minister.

Marke

Mit losem Mundwerk arrogante Brillanz verströmen und trotzdem kompetent und vertrauenswürdig wirken, ist Steinbrücks Markenzeichen. Damit tingelt er gerade durch übervolle Säle, um sein Erfahrungs-Buch "Unterm Strich" zu bewerben. Denn der Hamburger mit der typisch präzis-knappen Sprache hat alles, was ein Spitzenmann so braucht. Nur kein Amt. Derzeit.

Mag SPD-Chef Sigmar Gabriel rhetorisch noch begabter und die Leitfigur der kommunistischen "Linken", Gregor Gysi, noch kurzweiliger sein: Deren Dauer-Superlative der Kritik am Gegner sind so abgenutzt wie ihre inhaltlichen Bocksprünge. Und nur
Steinbrück kann seine Sprüche aus bewiesener Kompetenz ableiten: Aus der als erfolgreich geltenden Amtsführung als Finanzminister in Merkels Großer Koalition 2005 bis 2009.
Da wuchs er in der Mega-Finanzkrise zum Retter von Nation und EU, war wichtigster Partner der als Krisenmanagerin gefeierten Kanzlerin Merkel. Wer da kaltblütiger war, ist weiter unklar. In seinem Buch war es - natürlich - Steinbrück.

Für ihn spricht, dass er seine traditionell wirtschaftskritische SPD dabei ruhig hielt. Und dass die bürgerliche Koalition seine zwei wichtigsten (SPD-)Staatssekretäre übernahm - was sehr ungewöhnlich ist.

Dass er die Hauptaufsicht über die deutschen Finanz-Hasardeure vor der Krise lockerte, was diese erst verschärfte, verschweigt Steinbrück aber. Auch ist der 64-Jährige politisch so erfolglos wie seine potenziellen SPD-Rivalen um die Kanzlerkandidatur 2013. Wie Gabriel und Frank-Walter Steinmeier, damals Merkels Außenminister und nun SPD-Fraktionschef, hat auch er jede Wahl krachend verloren, zu der er antrat.

Bürgerlich

Steinbrücks Trumpf ist sein wirtschaftskompetenter Auftritt, gestärkt mit der gesuchten Nähe zur SPD-Ikone Altkanzler Helmut Schmidt, 92, auch Hamburger und SPD-Rechter. Das macht "Peer" bei den entscheidenden Wechselwählern zum chancenreichsten Herausforderer Merkels. An der er deshalb auch nichts Gutes mehr sehen will.

Sogar die SPD-Linke findet sich damit ab, seit er sich von deren Galionsfigur, SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die Absolution holte. Sein Sager, er werde "rechtzeitig zwei oder drei Personen der SPD-Führung" sein Ziel klarmachen, hatte nicht nur Linke verstört. Aber auch die regiert lieber mit ihm, als in der Opposition die reine Lehre zu üben .

Einen Beschluss der SPD über die "K"-Frage gibt es nicht vor 2012. Obwohl die letzte ARD-Umfrage zeigt: Steinbrück würde in einer Direktwahl mit 48 Prozent Merkel um elf Prozent punkte abhängen, mehr als jeder andere. Die Bundestagswahl ist aber erst in 27 Monaten - und seine Partei chronisch schwach.
Und nicht alles stimmt, was gut klingt: In Fort Yuma siegten dann doch die Indianer.

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