Sechs Tage in Spalte, aber "gut drauf"

Sechs Tage in Spalte, aber "gut drauf"
Nachdem ein 70-Jähriger aus einer Gletscherspalte gerettet wurde, warnen Experten vor Touren ohne Begleitung.

Selbst erfahrene Bergsteiger staunen. Und freuen sich über das "Wunder vom Längentalferner": Sechs Tage hat ein 70-Jähriger in einer Gletscherspalte in 20 Meter Tiefe überlebt (der KURIER berichtete).

"Der war psychisch wirklich gut drauf. Schließlich war er so lange da drunten gefangen und das Handy hat auch nicht funktioniert", zollt der Linzer Extrembergsteiger Edi Koblmüller dem Deutschen, der einer extremen Situation ausgesetzt war, Respekt. "Außerdem muss er unglaubliches Glück gehabt haben." Denn der verunglückte Alpinist sei nicht in eine der gefürchteten V-Spalten gefallen, die nach unten immer enger werden.

"In unserer Gegend ist das eine einmalige Sache. Von so einer langen Zeit hab’ ich noch nie gehört", sagt Gerhard Baumann, Chef der Bergrettung Gries. Der 70-jährige Bayer ist am 8. August auf dem Weg zum Westfalenhaus im Tiroler Stubaital eingebrochen. Erst Dienstag hörte eine Wanderergruppe seine Hilferufe. Der Deutsche liegt nun in der Uniklinik Innsbruck auf der Intensivstation. Erste Diagnosen zeigten aber, dass der Bayer bis auf eine starke Unterkühlung und Abschürfungen keine physischen Schäden erlitten haben dürfte.

Schokolade

Wasser aus der Gletscherspalte und eine Tafel Schokolade - damit kam der 70-Jährige aus. "In der Spalte hat er zumindest einen guten Schutz vor Wind gehabt", erklärt Baumann. Die Ausrüstung des Deutschen sei gut, aber nicht hochalpin gewesen. Dass er alleine unterwegs war, wurde ihm zum Verhängnis. "Auf jedem Gletscher gilt die Regel: zu zweit gehen, angeseilt gehen und Steigeisen benützen."

Gletscherspalten können bis zu 30 Meter tief sein, meist sind sie wegen Schnee nicht zu sehen. Langes Ausharren am Berg wie hier ist sehr selten, aber es kommt vor: Im August 2004 überlebten zwei Deutsche einen Sturz in eine Gletscherspalte am Schweizer Piz Bernina und wurden erst nach sechs Tagen gerettet. 2007 harrte ein Bayer zwei Tage in einer Spalte der Zugspitze aus, ehe er geborgen wurde.

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