Politik
05.12.2011

Schwiegervater fuhr Braut in den Tod

Prozess: Auf der Heimfahrt von der Hochzeitsfeier schlief der Vater des Bräutigams am Steuer ein und krachte in den Gegenverkehr.

Es war der "schönste Tag" in ihrem Leben - und er endete in einer Tragödie. Am 9. Mai 2010 kam eine 22-jährige Braut in ihrer Hochzeitsnacht bei einem schweren Autounfall in Viehhofen im Salzburger Pinzgau ums Leben.

Martina und Filip J. hatten sich das Jawort gegeben, die Hochzeitsgesellschaft feierte bis in die frühen Morgenstunden in einem Hotel in Neukirchen und machte sich dann auf den 60 Kilometer langen Heimweg. Am Steuer saß damals der heute 46-jährige Vater des Bräutigams, daneben seine Frau. Auf der Rückbank hatte das frischvermählte Brautpaar Platz genommen.

Nur wenige Kilometer vor dem Ziel nickte der übermüdete Schwiegervater gegen 5.30 Uhr hinter dem Steuer ein. Die Limousine geriet auf die Gegenfahrbahn und krachte dort frontal in einen entgegenkommenden Lieferwagen. Dessen Lenker hatte noch versucht, sein Fahrzeug herumzureißen - ohne Erfolg. Die Braut - sie war nicht angegurtet - wurde bei dem Aufprall so schwer verletzt, dass sie knapp eine Stunde nach dem Unfall im Krankenhaus starb. Ihr Schwiegervater erlitt bei dem Zusammenstoß selbst Brüche und tiefe Schnittwunden. Seine Ehefrau wurde schwer, der Bräutigam nur leicht verletzt. Der Kroate musste sich darum am Dienstag in Salzburg wegen "fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" vor Gericht verantworten.

0,0 Promille

Der Mann zeigte sich dabei völlig geständig - und versuchte nicht, sich zu rechtfertigen. "Er hat damals die Strapazen des Tages unterschätzt und ist kurz eingenickt", betont sein Verteidiger. "Dabei hat er zuvor genügend Verantwortungsbewusstsein gezeigt, weil er in der Hochzeitsnacht seines Sohnes keinen Tropfen Alkohol getrunken hat." Zudem räumte der Kroate ein, zu schnell gefahren zu sein.

Warum er in jener Nacht nicht im Hotel geschlafen habe, will die Richterin wissen. "Ich habe mich nicht für so müde gehalten, dass ich es nicht mehr nach Hause schaffe", antwortet der Angeklagte. "Ich wäre sonst stehen geblieben. Ich habe gegähnt. Aber ich habe nicht gemerkt, dass ich müde bin. Ich war glücklich."

Der Verteidiger bittet um eine milde Strafe. "Jeder hier kann sich vorstellen, wie es dem Mann geht. Es braucht eigentlich keine gerichtliche Strafe. Er wird sein ganzes Leben unter dem Vorfall leiden."

Zusammenbruch

Auch die Angehörigen leiden 16 Monate nach dem Unglück noch schwer unter dem Verlust: Die Mutter der toten Braut erlitt in der Nacht vor der Verhandlung einen Nervenzusammenbruch und ist in psychologischer Behandlung. "Der Sohn hat seinem Vater aber vergeben", erzählt der Verteidiger. Die Richterin verurteilte den Unfalllenker am Dienstag rechtskräftig zu einem Jahr bedingter Haft und zur Übernahme der Prozesskosten und eines Teilschmerzensgeldes an die Mutter der verunglückten Braut.