Politik 05.12.2011

Schwerer Schlag für Murdochs Konzern

Illegale Methoden von Zeitungsreportern stürzten Großbritannienin eine medienpolitische Großkrise.

Das Medien-Imperium wackelt. Die Spekulation darauf, sich mit der Einstellung des 168 Jahre alten englischen Sonntagsboulevardblattes News of the World am letzten Wochenende den Ärger nach Abhörskandalen vom Hals zu schaffen, scheint für Rupert Murdoch nicht aufzugehen. Der 80-jährige Pressezar ist trotz des Bauernopfers weiter mehrfach unter Druck.

Die Politik will nun die schon sicher geglaubte Übernahme des Bezahlsenders BSkyB vereiteln: Für umgerechnet 9 Mrd. € wollte Murdoch jene 61 Prozent kaufen, die er noch nicht besitzt.

Milliarden-Deal fraglich

Die Milliarden zerrinnen: Rupert Murdoch und seine ins Kreuzfeuer der Kritik geratene britische Statthalterin Rebekah Brooks
© Bild: APA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Jetzt hat die britische Regierung die Medienaufsicht, das Kartellamt und die Verbraucherschutzbehörde angewiesen, den BSkyB-Kauf nach den jüngsten Enthüllungen beim Murdoch-Blatt nochmals zu überprüfen. Die Opposition fordert sogar einen Stopp des Geschäfts.

Zur Zielscheibe der Kritik wurde vor allem Rebekah Brooks, als Murdochs Statthalterin die wohl einflussreichste Medienmanagerin des Landes. Noch.

Der Skandal geht an die Substanz, wie ein Zahlenvergleich zeigt: Während Sun und News of the World zuletzt mit 22 Mio. € Gewinn vor Steuern bilanzierten, brachte allein der bisherige Murdoch-Anteil von 39 % an BSkyB mehr als 500 Mio € ein. Auch in Deutschland ist der Tycoon im Pay-TV-Geschäft aktiv: Sky schreibt allerdings seit Jahren hohe Verluste. Zu Murdochs Imperium gehören auch Fox News, die Londoner Times und das Wall Street Journal.

Wertverlust

Die Milliarden zerrinnen: Rupert Murdoch und seine ins Kreuzfeuer der Kritik geratene britische Statthalterin Rebekah Brooks
© Bild: APA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Nach dem Abhörskandal hat Murdochs weltumspannendes Medienimperium News Corp. seit Monatsbeginn fast 15 Prozent seines Marktwertes verloren: Das sind nach Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg mehr als 5 Mrd. Euro. Investoren befürchten, dass sich der Skandal ausweiten und damit das Unternehmen noch mehr beschädigen könnte.

Murdoch müsse erst das Durcheinander aufräumen, bevor er mit seinem Medienkonzern die nächsten Schritte unternehmen könne, sagte der konservative Premierminister David Cameron. Murdoch-Blätter sollen auch ihn bespitzelt haben.

Gordon Brown soll von der Sunday Times, einem als seriös geltenden Blatt aus Murdochs Konzern, bespitzelt worden sein. Man habe "bekannte Kriminelle" benutzt, um an Geschichten zu kommen, sagte der Ex- Premier gegenüber der BBC.
Auch die Telefone von Prinz Charles und seiner Frau Camilla sollen im Visier der Reporter der News of the World gewesen sein, so der Guardian. Zudem wurde der Vorwurf der Bestechung von Polizisten und Mitarbeitern des königlichen Sicherheitsapparates erhoben.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011