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Politik
08/02/2012

Schweden: Mehr Auszeit für Vorzeigeväter

Männer sollen zwei statt drei Monate bei den Kids bleiben, um das Elterngeld auszuschöpfen – darüber wird jetzt diskutiert.

von Stefan Galoppi

Männer, die untertags einen Kinderwagen durch die Straßen schieben, mit ihren Kleinen in Parks spielen und sie in der Öffentlichkeit füttern, sind in Schweden ein alltäglicher Anblick. Denn das skandinavische Land hat in den vergangenen 40 Jahren ein äußerst flexibles und lukratives Anreizmodell entwickelt, das auch immer mehr Väter zu einer Karenzzeit animiert.

Schwedische Paare, die ihren Beruf ruhen lassen, um sich um ihr Kind zu kümmern, können insgesamt 480 Tage lang Elterngeld beziehen. Mindestens zwei Monate davon müssen jeweils Mutter und Vater in Anspruch nehmen, die restliche Zeitaufteilung können sie sich untereinander ausmachen. Und sie können die Tage verteilt in Anspruch nehmen, bis das Kind acht Jahre alt ist.

390 Tage lang werden von der sogenannten Elternschaftsversicherung 80 Prozent des bisherigen Bruttolohns als Ersatzleistung gezahlt – umgerechnet mindestens 22 Euro pro Tag, höchstens aber 105 Euro. Für die restlichen 90 Tage gibt es einen Pauschalbetrag von nur 22 Euro täglich.

Hohe Kosten

Der Staat lässt sich diesen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und auch zur Gleichstellung der Geschlechter einiges kosten. Genaue Zahlen werden nicht veröffentlicht. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt aber die Kosten auf 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2011 wären das umgerechnet etwa vier Milliarden Euro gewesen.

Laut Statistik der Regierung wurden im Jahr 2010 fast 24 Prozent aller Karenztage von Männern in Anspruch genommen. Viele Väter bleiben zumindest zwei Monate bei den Kindern. Allerdings gilt auch in Schweden: Trotz der verlockenden Regelung wird eher von Frauen erwartet, bei den Kindern zu bleiben. Männer werden von ihrer Umgebung und auch von vielen Betrieben eher zurückgehalten.

Nicht zuletzt deshalb gibt es eine politische Debatte darüber, die väterliche Mindestkarenz zur Ausschöpfung des Elterngelds von zwei auf drei Monate zu erhöhen. "Väter von heute sind keine Höhlenmenschen mehr mit Knüppeln in der Hand, sondern Männer, die immer mehr Verantwortung für Heim und Familie übernehmen", argumentiert etwa Lisbet Enbjerde von der mitregierenden liberalen Folkpartiet. Obwohl die Karenzregelung allgemein als Erfolgsgeschichte gilt, gibt es aber auch warnende Stimmen: Der Staat sollte sich nicht zu stark in die Lebensplanung der Familien einmischen.

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