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Politik
09/18/2012

Schule in Stadlau: Sehr gut, setzen

Gegensätze: In Wien-Donaustadt liegen Zukunft und Mittelalter nahe beieinander. Zwei Schul-Besuche, zwei Extrembeispiele.

von Uwe Mauch

Selten sieht man einen Wiener Schuldirektor so happy. Guten Mutes betritt Christian Posad, der seit vier Jahren die Handelsakademie und Handelsschule in der Polgarstraße in Wien-Stadlau leitet, die Aula des Schulzubaus, in der Handwerker am Feinschliff sind.

Dann streckt er seine Arme aus und erklärt: "Ich hatte in diesem Jahr wenige freie Wochenenden, dafür ist das hier mein Lebenswerk."

In wenigen Wochen werden seine 90 Lehrer und 1300 Schüler dabei sein, wenn die Schule feierlich eröffnet wird .

Liegt es am Zeitpunkt (erste Schulstunde), dass man sich in einem Traum wähnt? Die neue großzügig, klug gestaltete Aula, die auch mit mancher Konzernzentrale mithalten kann, zieht sofort in die Schule hinein. Und dann dieses Lehrerzimmer! Keine Legebatterie für Pädagogen, vielmehr ein zeitgemäßer Arbeitsplatz auf zwei Etagen, mit einem großen und zwölf kleinen Arbeitszimmern.

Science Fiction

Die Lehrer waren eingeladen, ihren Arbeitsplatz selbst zu gestalten. Sie haben alles in ihrer Freizeit geplant, konnten dabei auch auf die Expertise eines erfahrenen Kollegen vertrauen. Der war jahrelang in der Bauwirtschaft tätig und hat all seine Erfahrung eingebracht. Er hätte natürlich auch sagen können, dass ihn die Zukunft der Schule nur ein Jahr vor seiner Pensionierung eher wurscht ist. Hat er aber nicht.

Auch die Architekten Guido Welzl und Felix Silbermayr, deren Büro SGLW den Wettbewerb gegen 57 Konkurrenten für sich entscheiden konnten, trauten ihren Augen und Ohren nicht: "Da gab es viele Sitzungen", erinnert sich Felix Silbermayr. Mit Vertretern der Bundesimmobiliengesellschaft, des Stadtschulrats, dem Direktor, den Lehrern und den Schülern. Es sagt auch etwas über die Kooperation von Bund und Land, wenn der junge Architekt bewundernd hinzufügt: "Und niemand hat quergeschossen. Alle wollten diese Schule und waren daher auch zu jeder Zeit bereit, Kompromisse zu machen."

Frontalunterricht war gestern, heißt es in der HAK, individuelles Lernen ist heute. Daher wurden jeweils drei Klassenräume wie Waben um eine Mini-Aula angelegt. Der Unterricht geht raus aus dem Klassenzimmer, hin zu Besprechungstischen sowie PC-Arbeitsplätzen. Durchaus beabsichtigt erinnert die Arbeitsatmosphäre hier an die Büros modern agierender und international erfolgreicher Unternehmen. "Weil der Gangbereich fürs Lernen genützt werden kann, sind auch die Kosten nicht höher als beim Bau einer herkömmlichen Schule", betont Direktor Posad. Eine weitere Sensation ist der von einer Gartengestalterin ausgeführte Schulhof. Hier wurden für die schöne Jahreszeit weitere Unterrichtsflächen kreiert, dazu schattige Plätze zum Lernen und Ausruhen. Sogar an eine Tanzfläche mit Spiegel, etwa für Zumba-Einheiten, wurde gedacht.

Voll krass, aber es verwundert einen jetzt auch nicht mehr, wenn der Direktor mit einem Schmunzeln erklärt: "Den Außenbereich haben die Schüler mitgeplant."

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