Politik 17.04.2012

Schüller: "Keine Angst vor Exkommunikation"

Schüller kontert Wagner: "So einen Unsinn soll kein Kirchenmann weitergeben" © Bild: KURIER/Christandl

Die Pfarrer-Initiative um Helmut Schüller wehrt sich gegen Angriffe konservativer Kirchenkreise: "Das ist totaler Blödsinn".

Im KURIER-Interview am Montag attackierte der verhinderte Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner frontal die Pfarrer-Initiative und deren Obmann Helmut Schüller. "Hier stehen Priester nicht mehr auf dem Boden der Kirche", warf der Pfarrer von Windischgarsten den Reformern vor."Das beurteilt Gott sei Dank nicht der Herr Pfarrer Wagner", kontert nun Helmut Schüller im KURIER. "Die Bischöfe haben diesen Vorwurf im Juni zwar angedeutet, aber nicht mehr aufrechterhalten."Wagner warnte im Interview davor, Kirche und Glauben zu modernisieren. "Die Kirche darf nie den Fehler machen, dass sie sich dem Zeitgeist anpasst." Würde man die Lehre der Kirche mit Statistiken infrage stellen, wäre das gefährlich. Schüller: "Wagner ist das Zeitgeist-Opfer, nicht wir. Er ist Opfer eines neuen Konservativismus. Wir glauben, dass wir mit unseren Forderungen dem Ursprungsideal der Kirche entsprechen."Doch die Forderungen der Pfarrer-Initiative – das Ende des Pflichtzölibats, die Priesterweihe für Frauen, die Wiederverheiratung von Geschiedenen sowie die Einführung von Laienpredigern – sind für Wagner allesamt unvorstellbar. "Da ist nichts verhandelbar." Der Zölibat sei der Lebensstil Christi gewesen – und seine Jünger sollen so leben wie Jesus gelebt habe, so Wagner. "Das ist ein totaler Blödsinn", sagt Helmut Schüller. Wagner solle sich an das, was er an theologischer Bildung erfahren habe, erinnern. "So einen Unsinn soll kein Kirchenmann weitergeben."

"Glaubensfeindlich"

Angesprochen auf eine Umfrage, wonach 76,5 Prozent der Gläubigen hinter den Anliegen der Reformer stehen würden, meinte Wagner, dass kein wirklich gläubiger Christ Verständnis für diese "zum Teil verweltlichten und glaubensfeindlichen Forderungen" haben könne. "Feindlich sind wir überhaupt nicht", sagt Schüller. "Es geht nicht um eine Verweltlichung, sondern um eine Wahrnehmung der Fragen der Welt." Wagner wäre wohl für einen Kurs aus der Welt hinaus. "Er soll die vielen Getauften und Gefirmten, die mit beiden Beinen in der Welt stehen, nicht für blöd verkaufen."

Im KURIER-Interview wünschte sich Wagner die "Bekehrung und Besserung dieser Herren" und sprach von Exkommunikation. Schüller: "Ich habe keine Angst. Eine Exkommunikation ist so unwahrscheinlich, dass ich darüber nicht nachdenke." Schließlich wisse man sich in Übereinstimmung mit einem ganz großen Teil der Kirchenmitglieder.

( Kurier ) Erstellt am 17.04.2012