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Politik
12/05/2011

Prozess gegen Arzt in Dubai geht weiter

Gabriel und Tassilo Adelsmayr verfolgen die dritte Prozessrunde in Dubai gegen ihren Vater von Bad Ischl aus.

von Nihad Amara

Gabriel und Tassilo Adelsmayr haben derzeit einen schweren Rucksack zu schultern. Das Konterfei ihres Vaters, des Mediziners Eugen Adelsmayr (52), geistert seit Juli durch die Medien. Immerhin ist ihr Vater der erste Österreicher, dem im Ausland die Todesstrafe droht. Am Sonntag geht in den Dubai Courts die dritte Runde im Mordprozess gegen den Oberösterreicher über die Bühne. Erste Zeugen sind am Wort.

Die Dubaier Staatsanwaltschaft bezichtigt den Anästhesisten, einen Patienten falsch behandelt und ihm nicht geholfen zu haben. "Geplanter Mord" lautet der Vorwurf. Es geht um viel: Drei Jahre Haft bis zur Todesstrafe, die der Staatsanwalt fordert, drohen dem 52-Jährigen.

"Ich habe keine Sekunde an der Unschuld meines Vaters gezweifelt", sagt der 23-jährige Tassilo. Als sein Vater zu Weihnachten 2010 nicht heimkam, glaubte der Student noch an bürokratische Hürden, die sich von selbst in Luft auflösen würden. "Er ist so ein ehrlicher, korrekter Mensch, was soll ihm passieren", dachte Bruder Gabriel (25) damals.

Aus dem angezeigten Kunstfehler wurde aber eine Mordanklage. Während sein Vater Anfang Juli erstmals vor Gericht stand, legte Gabriel das letzte Examen seines Medizinstudiums ab. "Das Ganze schockiert uns schon", sagt der frischgebackene Arzt. Bei jedem Telefonat mit ihrem Vater hören sie den gleichen Satz: "Macht euch keine Sorgen!"

"Jeder Tag zählt"

Als ob die Malaise ihres Vaters nicht genug wäre, diagnostizierten Ärzte kürzlich bei ihrer Mutter eine schwere, fortschreitende Krankheit. Seitdem hüten die beiden das Elternhaus in Bad Ischl, "Unserem Vater ist geholfen, wenn er weiß, dass wir auf Mutter aufpassen", sagt Gabriel. Und: "Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass jeder Tag, den mein Vater früher daheim ist, zählt."

Dafür, für eine temporäre Heimkehr, setzen sich seit Wochen Politiker und Beamte ein. Zuletzt konferierte Außenminister Michael Spindelegger mit seinem Pendant aus den Vereinigten Arabischen Emiraten am Rande der UN-Generalversammlung in New York über den heiklen Justizfall. "Es wurde dem Minister die volle Unterstützung zugesagt", erklärt Peter Launsky-Tieffenthal, Sprecher des Außenministeriums.

Im Vorfeld hatte Bundespräsident Heinz Fischer den Oberösterreicher zu einem "humanitären Notfall" erklärt. Und das Außenministerium startete am Mittwoch eine zweite Vermittlungsmission, um den konfiszierten Pass des Arztes zurückzubekommen . Eine Beamtin lotet "neue Möglichkeiten" aus und wartet auf den Wink für das entscheidende Gespräch.

Bisher scheiterte die Ausreise, weil die Dubaier Behörden die Garantie verlangten, den Mordverdächtigen wieder auszuliefern. Da Österreich keine Staatsbürger an Drittländer übergibt, verliefen die Gespräche im Wüstensand.

Eugen Adelsmayr wird am Sonntag um 9 Uhr erneut hinter der hölzernen Absperrung des Gerichtssaals stehen. Er sprach stets von einer lächerlichen Anklage und einer "Intrige" eines Kollegen. Zuletzt schwänzten dieser und die restlichen vier Zeugen den Prozess. "Ich hoffe, dass sie diesmal erscheinen." Bisher kam der Angeklagte vor Gericht nicht zu Wort - bis auf einen Satz: "Ich bin unschuldig."

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