Österreicher zeugte 600 Kinder

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Foto: Alexandr Mitiuc - Fotolia Der bisherige Rekordhalter, ein US-Mediziner, brachte es durch Samenspenden auf 150 Kinder.

Rekord-Samenspende: Der verstorbene Forscher Bertold Wiesner soll in einer britischen Fruchtbarkeitsklinik zahlreiche Kinder gezeugt haben.

Er gilt als Pionier der künstlichen Befruchtung. Gemeinsam mit seiner Frau Mary Barton gründete der gebürtige Österreicher Bertold Wiesner in den 1940er-Jahren eine Fruchtbarkeitsklinik in London, die Barton Clinic. Jetzt wurde bekannt, dass Wiesner nicht nur Klinikleiter, sondern auch Erzeuger zahlreicher Kinder war: Die meisten Samenspenden dürften vom Chef selbst stammen.

Britische Medien berichten, dass Wiesner Vater von bis zu 600 Kindern sein könnte – ein absoluter Rekord: Der bisherige Rekordhalter, ein US-Mediziner, brachte es "nur" auf 150 Kinder.

Barry Stevens, ein kanadischer Dokumentarfilmer, ist einer von Wiesners durch künstliche Befruchtung gezeugten Söhnen. Er brachte gemeinsam mit seinem Halbbruder David Gollancz, einem Londoner Anwalt, den Stein ins Rollen: Sie ließen 18 Menschen, die zwischen 1943 und 1962 in der Barton Clinic geboren wurden, untersuchen. Dabei kam heraus, dass 12 von ihnen von Bertold Wiesner gezeugt worden waren.

"Die Standardannahmen für Lebend-Geburten, Zwillingswahrscheinlichkeiten und Fehlgeburten vorausgesetzt, ergibt sich aus der Hochrechnung, dass er bis zu 600 Kinder zeugte", erklärte David Gollancz der Sunday Times. Er hatte im Jahr 1965, als er zwölf Jahre alt war, herausgefunden, dass er durch eine Samenspende gezeugt worden war. Durch DNA-Tests erfuhr er später, wer sein Vater war – und nahm Kontakt zu elf seiner Halbgeschwister auf, darunter Barry Stevens.

In der Barton Clinic sollen rund 1500 Babys zur Welt gekommen sein. Bertold Wiesners Frau Mary Barton hatte stets betont, dass die Zahl der Samenspenden, die ein einzelner Mann abgeben dürfe, limitiert sei. Doch die Söhne des berühmten Biologen sind sich sicher, dass sich Wiesner nicht an die Regel hielt.

Umstrittene Klinik

Der Grund dafür könnte darin liegen, dass die Barton Clinic heftig umstritten war und sich deshalb in den 1940er- und 50er-Jahren nicht genug Samenspender fanden. So sei der Chef immer häufiger selbst zum Spender geworden, meinen seine Söhne. Der britische Fruchtbarkeitsexperte Allan Pacey glaubt sogar, dass Wiesner bis zu tausend Kinder gezeugt haben könnte. Der gebürtige Österreicher starb 1972 mit 70 Jahren.

Mary Barton, die vor elf Jahren starb, vernichtete nach dem Ende der Fruchtbarkeitsklinik einen Großteil der medizinischen Daten. "Es ist schade zu wissen, dass da draußen noch all diese Halbgeschwister sind, die ich gerne kennenlernen würde", sagt David Gollancz der Daily Mail. "Es wäre wundervoll, ein großes Festzelt zu mieten und sie alle zu einer Party einzuladen."

Der Kindermacher aus Maastricht

Der Niederländer Ed Houben ist ein "Selfmade-Samenspender", der seinen Einsatz über seine Website organisiert. Er verschenkt seinen Samen an Menschen mit Kinderwunsch: Houben ist der Überzeugung, dass liebevolle Paare Kinder bekommen sollten. Ums Geld geht es ihm dabei nicht. Laut einem Bericht des Spiegelhat Ed Houben mittlerweile 80 Kinder, zehn weitere sind unterwegs.

Der 43-jährige Stadtführer aus Maastricht ist seit mehr als zehn Jahren Samenspender. Zunächst spendete er anonym für eine Samenbank. Heute wählen Menschen, die seine Hilfe wollen, den persönlichen Weg. Paare und Singles mit Kinderwunsch können ihn besuchen. Bei Sympathie kommt es zur Erfüllung des Kinderwunsches; entweder mit der "Bechermethode" oder auf natürlichem Weg. Ed Houbens Bedingungen: keine Drogen, keine Geschlechtskrankheiten. Als Beweis dient ein Gesundheitszeugnis. Houbens Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent.

"Inzwischen weiß ich, dass die meisten Leute sich die Zeugung ihres Kindes so natürlich wie möglich wünschen. Vor allem, wenn sie schon ein paar Jahre Behandlungsversuche hinter sich haben, wollen sie nicht mehr in einer klinischen Atmosphäre mit einer Spritze befruchtet werden", sagte Houben der Freiburger Stadtzeitung Fudder.

(kurier) Erstellt am
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