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Politik
05/09/2012

Obama war "zärtlich, aber kühl"

Eine Jugendliebe des US-Präsidenten sagt über ihn in einer Biografie, dass "seine Wärme trügerisch sein kann".

von Susanne Bobek

Ich glaube, er hat für mich gekocht. Wir redeten, gingen ins Schlafzimmer und redeten weiter. Ich verbrachte die Nacht dort. Es fühlte sich an, als müsse es so geschehen." So beschreibt Genevieve Cook die erste Nacht mit dem damals 22-jährigen Uni-Absolventen Barack Obama in New York. Ein Jahr dauerte Obamas Beziehung mit der damals 25-jährigen, weißen australischen Diplomatentochter, die der Pulitzer-Preisträger David Maraniss ausfindig machte. Sie zeigte ihm auch ihre Tagebücher, die in die Biografie einfließen, die Maraniss über den jungen Obama schrieb und auf die viele Amerikaner jetzt mit Spannung warten. Am 17. Juni erscheint das Buch, das einen sehr ernsten, aber durchaus sympathischen jungen Mann zeigt.

Cook beschreibt Obama in ihrem Tagebuch als "zärtlich, aber gleichzeitig kühl". Obama sei sehr irritiert gewesen, als sie ihn in einem Wettkampf besiegt hatte. Cook beschreibt ein Paar, das gemeinsam duscht, Bücher liest und kocht. Aber sie hat das Gefühl, nie ganz an den um drei Jahre Jüngeren heranzukommen. "Seine Wärme kann trügerisch sein. Er sagt süße Worte und kann offen und vertrauensvoll sein, aber da ist auch diese Kühle." Die Ex-Freundin erinnert sich auch, dass sie mehrmals über Obamas Identitätssuche redeten, darüber, was es bedeutet, wo man hingehört, was es heißt, ein Schwarzer zu sein.

Wahlkampf-Faktor?

Die Biografie könnte den Wahlkampf mitentscheiden, glauben viele politische Journalisten in Washington. Weil sie den wahren Obama zeigt, einen Kontrollfreak. Heute zitieren viele Leitartikler den Spruch eines frustrierten Mitarbeiters von Hillary Clinton bei den Vorwahlen 2008: "Wir treten nicht gegen eine reale Person an, wir treten gegen eine Geschichte an."

"Wenn die Wähler, die an Obama zweifeln, das Werk lesen, dann lernen sie einen sehr ehrgeizigen Typen kennen, der witzig, vorsichtig, nachdenklich und intuitiv handelt", sagt der Journalist James Warren, der Maraniss beim Lektorat geholfen hat.

Barack Obama empfing David Maraniss zu einem 90-minütigen Gespräch im Oval Office. Der Präsident über diese Zeit: "Damals führte ich ein asketisches Leben. Ich war sehr viel ernster, als mir guttat."

Reporter haben bereits die "schäbige Wohnung" in Brooklyn ausfindig gemacht, in der Obama damals wohnte. Und alle wollen Genevieve Cook interviewen, die sich aber bisher sehr zurückhält. "Wir waren immer neugierig, wie sein Liebesleben war, bevor er Michelle kennenlernte", schreibt Gail Collins in der New York Times. Das Buch endet 1988. Da ging Obama nach Harvard zum Jus-Studium.

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