Politik
05.12.2011

Nazi-Filmemacher verhaftet

In der Wohnungseines Bruders wurde ein weiterer Nazi-Terrorist festgenommen. Er soll das Bekennervideo gedreht haben.

Die deutsche Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei, GSG 9, bekannt durch die Beendigung der Entführung des Flugzeugs "Landshut" nach Mogadischu, wird jetzt im Kampf gegen deutsche Neonazi-Terroristen eingesetzt. 20 Verdächtige sollen das Zwickauer Neonazi-Trio im Lauf der Jahre unterstützt haben. Auf das Konto der Neonazis gehen zehn Morde, 14 Banküberfälle und vermutlich auch zwei Sprengstoffanschläge.
Donnerstagfrüh wurden vier Wohnungen in Dresden, Jena und Zwickau durchsucht. Der mutmaßliche Produzent des zynischen Bekennervideos, André E., 32, wurde festgenommen. Der professionelle Filmemacher und seine Frau sollen der Zwickauer Zelle Bahncards zur Verfügung gestellt haben, die im Schutt des ausgebrannten Wohnwagens gefunden wurden.

Die Ermittler fanden auch einen Flyer von André E.s Videofirma mit Versandhandel in der gesprengten Wohnung in Zwickau. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass André E. seit dem Jahr 2003 in engem Kontakt zu den Mitgliedern der NSU ("Nationalsozialistischer Untergrund") gestanden habe. E. ist laut Generalbundesanwalt dringend verdächtig, 2007 den Film hergestellt zu haben, mit dem sich das Trio zu den Döner-Morden und dem Mordanschlag auf die beiden Heilbronner Polizisten bekannt hat. Auf dem Film finden sich außerdem Ausschnitte aus der Berichterstattung über Sprengstoffanschläge in Köln.
Der 32-Jährige wird der rechtsextremen Szene der Brigade Ost zugeordnet. Sein Bruder war zeitweise Mitglied der Jugendorganisation der NPD.

Ob die Serie von Pannen bei den Ermittlungen jemals komplett aufgedeckt werden kann, ist fraglich. Laut Insidern aus dem Verfassungsschutz wurden wichtige Akten vernichtet. Die Spurensuche über die Rolle von V-Leuten und hauptberuflichen Verfassungsschützern, die sich in die Szene gemischt haben, wie Andreas T., genannt "Klein Adolf", der an mehreren Tatorten gesehen wurde, bleibt somit unklar.

Die Familie der getöteten Polizistin aus Heilbronn ist empört darüber, dass man der jungen Frau Kontakte zu ihren späteren Mördern nachsagt. Das sei ihnen überhaupt nicht bekannt und grenze an Rufschädigung.

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