NATO-Bericht über neue Stärke der Taliban

NATO-Bericht über neue Stärke der Taliban
Die Taliban gewinnen in Afghanistan wieder zunehmend an Boden rechnen mit ihrer neuerlichen Machtübernahme.

Es ist immer der gleiche Standardsatz. Auf Pakistans Aktivitäten in Afghanistan angesprochen, antworten Kommandanten der NATO-Afghanistan-Schutztruppe ISAF immer rasch und mitunter mit einem wissenden Lächeln: „Kein Kommentar“ – auch wenn nie wirklich Geheimnis war, was da so als Geheimnis gehütet wurde. Ein jetzt von der BBC zitierter interner NATO-Bericht spricht dagegen eine viel klarere Sprache als wortkarge Kommandanten.

Er könne nicht einmal „an einen Baum pinkeln in Kunar (eine ostafghanische Provinz, Anm.), ohne dass sie zusehen“, wird da ein hochrangiger El-Kaida-Kommandant zitiert. Mit „sie“ meint er Agenten des pakistanischen Geheimdienstes ISI. Und weiter: „ Sie kontrollieren alles.“ Die Vermutung liege auf der Hand, dass der ISI seine Beeinflussung der in Pakistan sitzenden Taliban-Führung unvermindert fortsetze, formuliert es die NATO in dem Bericht, den ein Sprecher der Allianz als „nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“ bezeichnete.

27.000 Verhöre

Der Report basiert auf 27.000 Verhören mit 4000 gefangenen Taliban, El-Kaida-Kämpfern sowie anderen Extremisten. Und kurz zusammengefasst lässt sich folgender Schluss ziehen: Der pakistanische Geheimdienst weiß offenbar ganz genau, wo die Drahtzieher des Aufstandes in Afghanistan sitzen und bietet ihnen anscheinend auch Schutz; die Taliban gewinnen in Afghanistan wieder zunehmend an Boden; sie würden über ein riesiges Rekrutierungspotenzial verfügen, seien nicht wie oft behauptet auf Söldner angewiesen und rechneten fix mit ihrer neuerlichen Machtübernahme nach dem Abzug der ausländischen Truppen 2014, worauf sie sich auch bereits gezielt vorbereiten würden.

Zwar seien die Taliban kriegsmüde, heißt es in dem Bericht, aber sie würden wenig Hoffnungen in die kürzlich gestarteten Friedensverhandlungen hegen. Ein Spiel auf Zeit also. Denn der Abzug der NATO ist für 2014 bereits fixiert. Und die Zustände in den afghanischen Dörfern sprechen anscheinend klar für die Taliban. Denn die Regierung würde dort vor allem durch Ineffizienz, Korruption und Misswirtschaft auffallen – was den immer straffer um die Taliban organisierten Aufständischen zunehmend breite Akzeptanz verschaffe. Und das geht laut dem NATO-Bericht bereits so weit, dass Mitglieder der afghanischen Regierung verstärkt Kontakt zu den Taliban suchen. Von einem besonders markanten Anstieg solcher Aktivitäten im Vorjahr ist die Rede.

In zwei Jahren will die ISAF das Feld räumen. Und es wird schwierig werden, den Abzug als Sieg zu präsentieren. Einzelne Taliban-Kommandanten werden von der NATO weggebombt, aber gleich wieder ersetzt. Letztlich, so steht in dem Bericht, habe diese Strategie einen „unbedeutenden Einfluss auf die Operationen der Rebellen“.

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