Mozart ist jetzt ohne Nachbarn

Mozart ist jetzt ohne Nachbarn
Salzburg: „Mozarts Geburtshaus“ war jahrelang ihre Wohnadresse. Jetzt verlassen die letzten Bewohner die Touristenattraktion.

L udwig Rigaud hat schon seit seiner Geburt mit der Familie in einem weltberühmten Wahrzeichen Salzburgs gelebt. Jetzt müssen die letzten Bewohner aus Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse ausziehen. Ab sofort ist das bekannteste Wohnhaus Salzburgs nur mehr Museum und begehrtes Fotoobjekt für Touristen.

„Natürlich ist man wehmütig, wenn es soweit ist. Aber das Leben ist Veränderung und bringt auch immer Neues“, meint Rigaud. Die berühmte Adresse war schon seit jeher fest mit dem Namen Rigaud verbunden. Im Haus befand sich zu Zeiten Mozarts das erste Delikatessengeschäft Salzburgs. Ab 1838 stand es unter der Führung der miteinander verbundenen Familien Thury-Saullich-Scio-Rigaud.

Der Einzug großer Geschäftsketten in der Getreidegasse führte dazu, dass der Delikatessladen „Stranz & Scio“ 1994 in die ruhigere Sigmund-Haffner-Gasse siedelte. Ein Kassatisch, ein Luster und Lieferscheine aus Mozarts Zeiten zierten das Geschäft, bis 2010 Konkurs angemeldet werden musste.

„Schon 1994 wurden die Nutzungsrechte an die Stiftung Mozarteum abgetreten. Wir wussten, dass unser Wohnrecht befristet ist. Aber natürlich ist es schmerzhaft, wenn man sein Elternhaus verlässt“, sagt Rigaud.

„Mozart spielte stets eine zentrale Rolle in unserer Familie. Im Haus hat man gespürt, dass dort ein besonderer Platz ist. Der Geist der Geschichte strahlt irgendwie nach. Wir haben mit dem Haus mitgelebt“, so Rigaud.

Besuch

Das Leben in der Touristenattraktion hatte natürlich seine Tücken. 350.000 Menschen gehen im Jahr dort ein und aus. Rigaud deaktivierte die Zugglocken am Haus und machte einen Gatter im Stiegenhaus. „Sonst wären zu oft Touristen im Wohnzimmer gewesen.“ Wie der vierte Stock in Zukunft genutzt wird, ist noch nicht bekannt. Möglich ist, dass Büros der Stiftung Mozarteum einziehen. „Ich persönlich würde es schön finden, wenn wieder Mieter kämen. Einem Haus tut Leben gut. Es ist gut, wenn jemand drauf schaut - oder der Polizei öffnet, wenn in der Nacht der Alarm los geht.“

Rigaud ist jetzt von der touristenüberfluteten Getreidegasse in den grünen Stadtteil Herrnau gezogen: „Eine Umstellung, natürlich. Aber ich genieße die Spaziergänge in der Altstadt.“ Ein Hauch von Mozart umweht Rigaud noch immer. Seine berühmten „Venusbrüstchen“ – Pralinen, die schon Mozart gegessen haben soll – werden noch immer über drei Salzburger Geschäfte und über www.stranzundscio.com vertrieben.

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