Mordprozess in Dubai verunsichert Ärzte

Das Schicksal von Eugen Adelsmayr, der in Dubai wegen "geplanten Mordes" vor Gericht steht, kratzt am Schlaraffenland-Image des Golfstaates.
Foto: Nihad Amara

Der Mordprozess gegen Eugen Adelsmayr verunsichert heimische Mediziner. Ein Auslandsaufenthalt bringt zwar viel Geld, birgt aber Risiken.

Steuerfreie Gehälter, wenig Bürokratie, 350 Tage Sonne im Jahr, feine Sandstrände und ein türkisfarbenes Meer: In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) warten auf heimische Fachärzte paradiesische Zustände. Zumindest galt das bisher.

Der Fall Eugen Adelsmayr, jener leitende Anästhesisten, der in Dubai wegen "geplanten Mordes" vor Gericht steht, kratzt am Schlaraffenland-Image des Golfstaates. Wie berichtet, steht der 52-jährige Top-Mediziner wegen des Todes eines Patienten vor dem Kadi. Adelsmayr, der sich "nicht schuldig" bekannte, droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe.

"Wenn ich noch in Abu Dhabi wäre, wäre ich jetzt aufgrund der Anklageerhebung gegen Dr. Adelsmayr nach Österreich zurückgekehrt." Wilhelm Behringer, ein anerkannter Experte für Notfallmedizin, werkt nach seinem zweieinhalbjährigen Aufenthalt in Abu Dhabi seit Juni wieder im Wiener AKH. "Mit dem heutigen Wissen um die Geschehnisse mit Dr. Adelsmayr", beteuert der habilitierte Mediziner, "würde ich mich diesem Risiko nicht mehr aussetzen wollen."

2000 Österreicher

Behringer ist mit seiner Einschätzung nicht alleine. Die Goldgräberstimmung am Gesundheitsmarkt des Wüstenstaates lockte Schätzungen der Ärztekammer zufolge 60 Mediziner an. Alle anderen Branchen berücksichtigt, sind rund 2000 Österreicher in den Emiraten beschäftigt.

"Ich warte ab, wie sich alles entwickelt und entscheide dann, ob ich bleibe", schildert ein österreichischer Arzt, der in dem Golfstaat arbeitet und deshalb anonym bleiben will. "Natürlich hätte mir das auch passieren können", gesteht er sich ein.

Geldsegen

Viele Mediziner reizte der Geldsegen. Die Gehaltskurve beginnt bei 120.000 steuerfreien Euro pro Jahr und steigt steil an. Freilich: Der Arbeitsalltag ist hart, Freizeit gibt es kaum. "Eine Sechstagewoche mit durchschnittlich 15 Stunden pro Tag", erklärt der österreichische Arzt am Telefon, "bringt keinen hohen Stundenlohn".Für seine Pension und seine eigene Gesundheit müsse er selbst vorsorgen.

Das Al Ain Hospital in Abu Dhabi, just jenes Spital, in dem Adelsmayr suspendiert wurde, wird von einer Tochtergesellschaft der Med Uni Wien mit dem Krankenhausbetreiber Vamed betrieben. "Die Ärzte sind nicht bei uns angestellt", erklärt Johannes Angerer von der Med Uni Wien, "und tragen das Risiko selbst." Seinen "Horizont durch einen Auslandsaufenthalt zu erweitern" sei "wie in jedem Beruf ein Renommee", betont Angerer. Der Prozess gegen Eugen Adelsmayr wegen "geplanten Mordes" wird am 7. September fortgesetzt.

(kurier) Erstellt am
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