Lolita-Liebe reizt die Moralapostel

Tränenreicher Abschied wegen einer 16-Jährigen: Christian von Boetticher braucht ein Taschentuch
Foto: Boetticher-000/dpa/Carsten Rehder

Deutschland: Nach dem Rücktritt eines konservativen Politikers stellt sich die Frage nach der "Moral".

Liebe ist voller unmoralischer Komponenten", schreibt der Berliner Tagesspiegel. "Wer will darüber richten?" Nach dem weinerlichen Rücktritt des deutschen CDU-Politikers Christian von Boetticher, der eine mehrmonatige Affäre mit einer damals erst 16-Jährigen hatte, gehen die Wogen hoch. Das Mädchen vermutet jetzt übrigens einen Racheakt an seinem Ex-Geliebten. Es steht zu seiner Affäre.

Aber darf ein 40-Jähriger mit einer Schülerin, die er auf Facebook kennengelernt hat, zwei Tage in einem Hotel verschwinden? Aus rechtlicher Sicht darf er. Aus moralischer Sicht hat sich Boetticher nicht so edel verhalten. "Wenn er sagt, es war Liebe, kann er daraus keine Schuld machen. Dann darf er sich nicht entschuldigen. Wenn er sagt, es war Liebe, dann muss er dazu stehen, darf sich aber nicht vertschüssen, wenn er Ministerpräsident in Schleswig-Holstein werden will", sagt der bekannte Wiener Sexualtherapeut Karl Stifter.

Zumal der gute Mann, wie erst am Dienstag bekannt wurde, wenige Monate nach der umstrittenen Affäre seine Langzeitfreundin Anna Christina Hinze in Las Vegas geheiratet haben soll, eine attraktive 32-jährige CDU-Mitarbeiterin aus Hamburg.

Und die Moral? Stifter: "Wessen Moral ist das eigentlich? Wenn eine 16-Jährige wählen darf, man ihr aber nicht zubilligt, mit wem sie sich einlassen möchte, ist das inkonsequent. Natürlich hätten wir es nicht gerne, wenn das unseren Töchtern passiert. Aber wir haben um Werte wie Toleranz und Freiheit gekämpft, diese Werte weichen einem Tugendterror. Es bedarf nicht einmal mehr eines Delikts, und die selbstherrliche Scheinmoral macht sich breit."

Stifter ortet wie viele Sexualtherapeuten einen "Konformitätsdruck" in Sachen Liebe und Sex. Auch die Wiener Sexualmedizinerin Elia Bragagna will nicht fern-urteilen. "Gesetzlich dürfen sie. Sie haben entschieden, sie tun es. Die Frau stand in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Mann." Und: "Ich trau' mich nicht zu sagen, dass das von vornherein schädlich ist. Es gab auch schon oft Liebesbeziehungen mit einem sehr großen Altersunterschied. Wahrscheinlich war's eine geile Affäre."

Hamburgs Ex-Bürgermeister, der bekennende Homosexuelle Ole von Beust kam im Vorjahr in die Schlagzeilen, weil seine Beziehung zu einem 36 Jahre jüngeren, damals 19-jährigen Mann bekannt wurde. Sein Kommentar: "Wir leben zusammen." An dem Altersunterschied findet er nichts Verwerfliches: "Gelästert wird überall, ich lebe nach Gesetz." Woody Allen verliebte sich in Mia Farrows Adoptivtochter, als sie 15 Jahre alt war. Allen und Soon Yi-Previn sind bis heute ein Paar.

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(kurier) Erstellt am
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