Politik 22.01.2012

Lawinensperre: Notquartier statt Luxushotel

294 Gäste verbrachten eine Nacht in Tirol auf Feldbetten, weil sie ihre Urlaubsorte nicht erreichen konnten.

So hatten sich 294 Urlauber ihre erste Nacht in Tirol wohl nicht vorgestellt: Statt in der komfortablen Unterkunft in Ischgl, Galtür oder St. Anton am Arlberg Quartier zu beziehen, hieß es, mit einem Feldbett in Notunterkünften Vorlieb nehmen, die Samstagabend organisiert worden waren.

„Die Leute waren sehr dankbar. Viele waren nach der anstrengenden Anreise erschöpft und einfach froh, dass sie sich ausrasten konnten“, berichtete Othmar Juen, Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Landeck.

Gesperrt

Wie berichtet, waren die Straßen ins Paznaun und auf den Arlberg am Samstag wegen Lawinengefahr erneut gesperrt worden. In der Autobahnraststätte Trofana Tyrol organisierte der Tourismusverband (TVB) Ersatzunterkünfte.

„Aber bis zum Abend waren alle Zimmer zwischen Nauders und Telfs belegt“, erklärte Alfons Parth, Obmann des TVB Paznaun-Ischgl. Und ihm kam auch dreiste Abzocke zu Ohren: „Manche Vermieter verlangten den doppelten Preis, oder sie erklärten, dass die Gäste eine Woche bleiben müssten, sonst bekommen sie das Zimmer nicht.“

Ab 19.30 Uhr wurden die ersten 104 Feldbetten in der Raststätte Trofana aufgestellt. Weitere 190 Reisende fanden in den Turnsälen von Volks- und Hauptschule Zams Unterkunft.

Sonntag stauten sich die Autos auf den Straßen ins Paznaun und auf den Arlberg, nachdem die Sperren aufgehoben waren. Ab 17 Uhr verkehrten auch wieder Züge über den Arlberg. Und Parth forderte, dass die Straße ins Paznaun vor Lawinen gesichert werden muss. Rund 8000 Gäste hätten nicht anreisen können.

Während sich die Lawinengefahr von Stufe 4 langsam entspannt, standen die Feuerwehren beim Schneeräumen im Dauereinsatz. In Schwaz wurde weiter Schnee vom Dach des Interspar-Marktes geschöpft. Auch in Salzburg musste in Bruck das Dach eines Supermarktes von den Schneemassen befreit werden. Das Dach eines Stalls in Werfenweng hielt dem Druck nicht mehr stand und brach ein. Vier Pferde mussten geborgen werden.

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( Kurier ) Erstellt am 22.01.2012