Politik
05.12.2011

Kuhjagd in Oberbayern: Free Yvonne

Ein Suchhund, zwei Lockkühe, fünf Schützen und ein Trupp von hundert Helfern sollen Kult-Kuh Yvonne einfangen.

Die Yvonne ist wie ein Phantom", meint Tierschützer Michael Aufhauser. Wie ein scheues Wildtier schleicht sie nach wie vor durch einen dunklen Wald im Landkreis Mühldorf. Alle Tricks und Überrumpelungsversuche des Suchtrupps Kuh Yvonne einzufangen oder zu betäuben schlugen bisher fehl.

In der Nacht zum Freitag hatte das sechsjährige Rind dann doch Sehnsucht nach Gesellschaft. Vorsichtig besuchte sie um drei Uhr die beiden Lockkühe Waltraud und Waldi, die auf einer Weide beim Wald postiert wurden. "Es wäre zu gefährlich gewesen, sie zu betäuben. Möglicherweise läuft sie panisch in den Wald und verletzt sich", erklärt Aufhauser.

Auf der Lauer

Fünf Schützen sind vor Ort, um Yvonne zu betäuben. Auch beim bevorzugten Wasserloch des Tieres liegt stets jemand auf der Lauer. Doch das schlaue Tier wittert die Gefahr und zieht sich lieber in ein Dornengestrüpp im Wald zurück. "Ihrer Haut macht das nichts aus. Sie kämpft um ihre Freiheit. Wir haben ein völlig falsches Bild von Kühen. Sie sind viel klüger, als wir denken", meint Aufhauser.

Doch Yvonne ahnt nicht, dass Freiheit auch "zum Abschuss freigegeben" bedeutet. Die Kuh wurde vom Landratsamt als Gefahr einstuft, nachdem sie vor einer Woche einem Polizeiauto vor den Kühlergrill gelaufen war. An der Straße neben dem Wald gilt seitdem Tempo 30.

Am Freitag entschieden die Tierschützer, einen Suchhund auf Yvonne anzusetzen. "Aber der geht natürlich auch nicht ins Dornengestrüpp", sagt Aufhauser. Der nächste Coup ist für Samstag geplant. "Wir versuchen, mit etwa hundert Leuten die Kuh zu umstellen, um sie in ein Gatter zu treiben. Wenn auch das nicht funktioniert, dann ziehen wir uns zurück und hoffen, sie in einem unvorsichtigen Moment anzutreffen." Vielleicht können ja die Lockkühe am Waldesrand Yvonne umstimmen. "Das schwarzbunte Kalb Waldi trinkt seit Freitag bei Waltraud", erzählt Aufhauser. Das Trio sollte nach abgeschlossener Rettungsaktion zum Gut Aiderbichl Deggendorf gebracht werden. Den Namen Yvonne erhielt die Kuh von einer kranken Frau aus Frankfurt. Sie wünscht sich sehnlichst, dass Yvonne lebendig eingefangen wird.

Zwitschern über Kühe

Wenn selbst die angesehene Financial Times Deutschland statt über den DAX lieber über eine Kuh schreibt, dann ist Sommerlochzeit samt tierischem Sommerloch-Star. Nach Bruno dem Problembär sorgt nun also Problemkuh Yvonne für länderübergreifende Schlagzeilen. Neben Beiträgen in Tageszeitungen häufen sich auch im Internet die Meldungen, viele auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Auf Twitter (zu Deutsch: zwitschern) können Nutzer kurze Textmeldungen verschicken, oft versehen mit einem Schlagwort. Wer etwa nach #Yvonne oder #freevonne sucht, findet stündlich mehr werdende Kurzmeldungen über die Kuh. Auffällig: Viele Medienprofis haben ihr Herz für die Kuh entdeckt, darunter auch Roland Tichy, Chefredakteur der angesehenen Wirtschaftswoche . Das führt zu ironischen Twitter-Kommentaren: "Seit sich @RolandTichy von der #WiWo mehr um seine #Yvonne kümmert, als um die Märkte, brechen diese ein."