Klagenfurt: Rauchverbot im Freibad?

11.05.2012: Umfrage im Strandbad Klagenfurt zum Vorschlag von Grün-Gemeinderat Reinhold Gasper, ein Rauchverbot zumindest auf den Stegen zu verhängen; Nichtraucher Alexander Schreigg, 19, und raucherin Ines Wechselberger, 19
Foto: Brigitta Luchscheider Raucherin gegen Nichtraucher: Ines kann sich ein Rauchverbot auf den Badestegen vorstellen, will aber Aschenbecher auf der Wiese. Alexander möchte ein generelles Rauchverbot aus gesundheitlichen Gründen.

Grün-Gemeinderat Gasper will die Qualmer zumindest von den Badestegen vertreiben und fordert Besucher zu Boykott auf.

Zigarettenstummel seien nicht nur ein Ärgernis, sondern auch eine Belastung für Mensch und Natur, stellt der Klagenfurter Grün-Gemeinderat Reinhold Gasper klar: "Auch in den Strandbädern werden die Tschick-Reste achtlos weggeworfen – in die Wiese oder ins Wasser. Schwimmt man unter einem Steg hindurch, tanzt einem der Stummel im Wasser vor der Nase herum."

Dieser Unart will er Einhalt gebieten. Deshalb fordert der Grün-Mandatar: "Als erster Schritt soll ein Rauchverbot auf den Badestegen verhängt und das auch rigoros umgesetzt werden." Danach könnte das Qualmen in Freibädern überhaupt untersagt werden: "Wenn nicht, sollen Gäste das Bad boykottieren." Und scherzhaft fügt Gasper an: "Rauchen ja, aber nur unter Wasser."

 Dass dies einem Rauchverbot im Freien gleichkäme, ist Gasper bewusst, aber: "Die gesundheitlichen Schäden durch Rauchen für Menschen sind bekannt, aber dass ein einziger Stummel etwa 4000 Schadstoffe enthält, 60 Liter Wasser verseuchen kann, sich erst nach fünf Jahren auflöst und sich sogar in den Innereien von Tieren wie Vögeln und Fischen wiederfindet, hat mich entsetzt."

Lästiger Rauch

Luftaufnahme vom Strandbad Klagenfurt Foto: STW/KK 15.000 Besucher an Spitzentagen: Das Strandbad in Klagenfurt.

Zudem fühlten sich viele allein durch den Rauch belästigt. Deshalb hat Gasper bereits einen diesbezüglichen Antrag im Gemeinderat eingebracht. Gerald Knes, Betriebsleiter der Klagenfurter Bäder, hält sich bei dem Thema zurück: "Ideen und Vorschläge solcher Art werden von mir nicht kommentiert. Man sollte aber vorher überlegen, wie so eine Regelung überhaupt exekutierbar wäre."

Ein Lokalaugenschein im Klagenfurter Strandbad, das an Spitzentagen bis zu 15.000 Besucher aufnimmt, zeigt Badestege, die reichlich mit Abfalleimern und Aschenbechern ausgestattet sind. Eine junge Frau schnippt gerade den Rest ihrer Zigarette ins Wasser: "Das mach’ ich sonst nie!" Von einem Rauchverbot auf der Brücke hält sie nichts. Ihre nicht rauchende Freundin hingegen viel.

Eine Studentin aus den USA wiederum stört das Gequalme am Steg nicht, obwohl sie aus einem Land kommt, das den blauen Dunst eher restriktiv handhabt. Und ein rauchender Pensionist hätte nichts gegen Bestrafung, wenn jemand beim "Verschmutzen" erwischt wird: "Heutzutag’ wird man eh’ schon überall überwacht."

Mist wegräumen

Margarethe Thamer, 76, ihr Mann Peter und Freundin Wilma See­bacher, 74, sind seit Jahrzehnten Stammgäste im Strandbad. "Ich hab’ nichts dagegen, wenn geraucht wird", betont Margarethe Thamer, "aber jeder soll auch den Mist, den er verursacht, wegräumen. Da geht’s um die allgemeine Sauberkeit."

Raucherin Wilma See­bacher zeigt eine alte Creme-Dose: "Die habe ich immer mit für meine Stummel." Die 19-jährige Ines Wechselberger vermisst Aschenbecher in der Wiese: "Auf den Stegen nicht rauchen wäre schon in Ordnung. Dafür soll man dann auf die Wiese aus­weichen können."

Tagesaschenbecher

11.05.2012: Umfrage im Strandbad Klagenfurt zum Vorschlag von Grün-Gemeinderat Reinhold Gasper, ein Rauchverbot zumindest auf den Stegen zu verhängen; der Tagesaschenbecher ist bei der Kasse um 20 Cent zu erwerben Foto: Brigitta Luchscheider Um 20 Cent sind solche
Tagesaschen­becher bei der Kassa im Strandbad zu erwerben. Sehr praktisch sind sie aber nicht.

Dem kann abgeholfen werden: An der Strandbad-Kassa gibt es folierte "Tagesaschen­becher" um 20 Cent zu erwerben. Die flachen Behälter erweisen sich jedoch eher als kontraproduktiv, wenn auf der Brücke der Wind durch die Zigarettenreste fährt und dann erst recht Asche samt Stummel verträgt.

Ines’ Studienkollege Alexander Schreigg wäre nicht nur aus diesem Grund für ein radikales Verbot: "Überall sollte rauchen untersagt sein – aus gesundheitlichen Gründen."

Grün-Gemeinderat Reinhold Gasper, Klagenfurt Foto: Grüne Klagenfurt Grün-Gemeinderat Reinhold Gasper: "Allein kann ich das nicht durchsetzen"

Umweltbombe und Belästigung Verordnen Sie ein Rauchverbot, zumindest auf den Badestegen", lautet der Appell des Klagenfurter Grün-Gemeinderates Reinhold Gasper an die Freibadbetreiber. Tun sie das nicht, sollten sich Badegäste beschweren oder die Bäder boykottieren. Und beim Ertappen der diesbezüglichen Umweltverschmutzung sollte überhaupt rigoros vorgegangen werden.

"Viele Menschen haben sich an mich gewandt, weil sie sich belästigt fühlen", erklärt Gasper dem KURIER. "Es ist ja auch nicht angenehm, in der Wiese zu liegen und von Zigarettenrauch umweht zu werden." Dieser Vorstoß habe ihm viele positive Reaktionen gebracht: "Die Leute sagen: ,Bitte, setzen S’ das durch!" Aber allein geht das nicht."

Einen Mitstreiter hat Gasper in der Person von SP-Gesundheitslandesrat Peter Kaiser mittlerweile bekommen: "Wir müssen vor allem jene schützen, die sich nicht gegen die Folgen des Passivrauchens wehren können", sagt Kaiser und fordert "ein totales Rauchverbot in Gaststätten, Schluss mit Rauchen im Auto in Gegenwart von Kindern und Hilfe für rauchende Schwangere."

Gerechtfertigt sei die Forderung laut Gasper allemal: "Jährlich fallen etwa vier Billionen Zigarettenstummel an, somit sind auf die fünfjährige Zerfallszeit aufgerechnet 20 Billionen Zigarettenstummel in Umlauf – eine Umweltbombe der ersten Klasse!"

(kurier) Erstellt am
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