Politik 13.04.2012

Kammerlander: Zweifel an Gipfel-Rekord

Hans Kammerlander will das Rennen um die "Seven Second Summits" gewonnen haben. Doch jetzt gibt es starke Zweifel.

Die sieben zweithöchsten Berge auf allen Kontinenten gelten seit vielen Jahren als letzte große Herausforderung, mit der man Alpingeschichte schreiben kann. Der 55-jährige Südtiroler Hans Kammerlander verkündete im Jänner, als er den Gipfel des Mount Tyree in der Antarktis (4852 m) erreicht hatte, dass er das Rennen für sich entschieden hat. Jetzt gibt es aber starke Zweifel, dass Kammerlander 2010 und 2011 zwei Mal auf den richtigen Gipfel war, womit sein Erfolg nicht gewertet werden kann.

Ein Foto vom Mount Logan im Nordwesten Kanadas (5959 m), das Kammerlanders Partner Konrad Auer im Mai 2010 gemacht hatte, machte den norwegischen Bergsteiger Petter Bjørnstad stutzig, der 2009 dort oben war: "Der Hauptgipfel ist ein sehr scharfer Grat. Auf dem Gipfel steht eine Eisaxt, die irgendjemand vor vielen Jahren dort oben gelassen hat. Ein Markierungspunkt, der trotz Wind und Wetter noch lange präsent und sichtbar sein wird." All das ist auf Kammerlanders Bild nicht zu sehen. Der Profibergsteiger gibt zu: "In Nordamerika ist eine kleine Unklarheit entstanden. Aber wenn das so ist, dann handelt es sich lediglich um eine Verwechslung, nicht um eine Lüge mit böser Absicht."

Er will zum Mount Logan zurückkehren und auf den richtigen Gipfel steigen. Denn die Eisaxt haben weder er noch Konrad Auer gesehen, im Gegensatz zu vielen anderen Bergsteigern.

Ein zweiter Fehler dürfte dem "Lebemann, der nicht viel Zeit mit großen Vorbereitungen verschwendet", so der Spiegel, in Ozeanien passiert sein. Denn der Puncak Trikora (4711 m), ein Berg in Indonesien, den Kammerlander im April 2011 bestiegen hat, ist wahrscheinlich nicht der zweithöchste Berg Ozeaniens. Laut Radarmessungen des NASA-Shuttles "Endeavour" im Jahr 2000 ist das der Puncak Mandala (4737 m).

( Kurier ) Erstellt am 13.04.2012