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Politik
12/05/2011

"Junge Flieger sollen öfter zum Mediziner"

Seit 2006 müssen junge Privatpiloten nur mehr alle fünf Jahre zur Untersuchung. Flugmediziner sind dagegen.

von Brigitte Kirchgatterer

Ein bekiffter Flugzeugpilot. So etwas hatte Thomas Keller von der Salzburger Gerichtsmedizin noch nie am Obduktionstisch liegen. "Und wir untersuchen viele Flugunfallopfer", sagt der Chemiker. Wie sich am Freitag herausstellte, dürfte der Flugunfall, der am 28. August in Zell am See bei einem Zusammenstoß vier Tote forderte, auf einen Cannabis-Drogenrausch zurückzuführen sein. Im Blut des 31-jährigen Tiroler Piloten einer Cessna und seiner Freundin wurde ein hoher THC-Wert gefunden.

Ein Vorfall, der laut Flugmediziner eher die Ausnahme ist. "Mich hat das geschockt. Die Hemmschwelle, berauscht zu fliegen, ist hoch", meint der Salzburger Flugmediziner Michael Kopp. "Bei einem Autofahrer ist der Führerschein für eine gewisse Zeit weg. Bei einem Piloten für immer. Wenn man die Fliegerei gerne hat, überlegt man, ob man so etwas macht", ist Kopp überzeugt. Promille-Grenzen gibt es beim Fliegen keine, "psychogene Substanzen" sind generell strikt verboten.

Gesetze

Berufspiloten müssen jährlich zur umfangreichen Kontrolle beim Flugmediziner antreten. Junge Privatpiloten müssen seit 2006 allerdings nur mehr alle fünf Jahre zum Arzt. Je älter der Pilot ist, desto kürzer sind die Untersuchungsintervalle.

"Die Gesetze wurden 2006 europaweit angeglichen. Man war überzeugt, dass bei Jüngeren längere Intervalle ausreichen. Wir Flugmediziner haben dagegen gestimmt. Aber das wurde nicht beachtet", so Wolfgang Köstler, Chefarzt der Austro Control. Die Lobby von Luftfahrtindustrie und Sportfliegervereinen sei groß. "Natürlich kann man Drogen- oder Alkoholkonsum durch mehr Untersuchungen nicht verhindern. Spezielle Tests sind nur bei Verdacht vorgesehen. Der Aufwand wäre zu hoch", sagt Köstler. Aber auch andere Beeinträchtigungen können oft in Gesprächen mit dem Flugarzt festgestellt werden.

"In fünf Jahren kann sich bei einem jungen Menschen viel ändern. Er kann den Job verlieren, familiäre Probleme haben, eine Krankheit bekommen, plötzlich Medikamente brauchen - oder eben Drogen nehmen, was Auswirkungen auf die Fliegerei haben kann", sagt Köstler. Der Unfallpilot soll auf Facebook über Hanfanbau gepostet haben.

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