Politik
05.12.2011

Jetzt teilt Guttenberg aus

Der "vorerst gescheiterte" Ex-Minister attackiert die Uni Bayreuth, abhängig zu sein. Zurückgetreten wäre er sowieso, sagt er.

Neun Monate nach seinem Rücktritt rechnet der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ab. Für den Autor des Buchs "Vorerst gescheitert", Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, opferte der adelige Ex-Minister drei Tage, in denen die beiden im Oktober in einem Londoner Hotel miteinander redeten. Im Ergebnis steckt Reue, aber auch ein Angriff gegen Kritiker und einstige Verbündete. "Unglaubliche Dummheit", "ungeheuerlicher Fehler", "unglaublich schlecht", "plump", "töricht" - Guttenberg überschlägt sich geradezu, wenn es um die Geißelung seiner Arbeitsweise beim Erstellen der Dissertation geht. Er weist aber nach wie vor den Betrugsvorwurf zurück. "Ich habe diese Sätze schlicht für meine eigenen gehalten", sagt er zu der Tatsache, dass selbst ein Teil seiner Einleitung nicht von ihm stammt.

Guttenberg übt aber nicht nur Selbstkritik, sondern teilt auch aus. Der Universität Bayreuth wirft er vor, ihn verurteilt zu haben, um den eigenen Ruf zu schützen. Die CDU-Politiker Wolfgang Böhmer, Annette Schavan und Norbert Lammert bezichtigt er, ihm in der kritischen Phase der Affäre ohne Vorwarnung in den Rücken gefallen zu sein. Den Medien wirft Guttenberg vor, seine gesamte politische Arbeit im Zuge der Plagiatsaffäre verteufelt zu haben.

Nach Verbündeten für einen Neustart seiner Karriere scheint der 39-Jährige nicht gerade zu suchen. Vor allem die CSU-Schelte überrascht. Kurz nach seinem Rücktritt hatte Guttenberg noch versichert: "Oberfranken werde ich aber nicht im Stich lassen. Ebenso wenig meine politische Heimat, die CSU." Jetzt spricht Guttenberg davon, dass er "zurzeit" Mitglied der CSU sei. Gleichzeitig entwirft er über mehrere Seiten eine Art Parteiprogramm für eine neue Kraft der Mitte.

Rücktritt

Besonders überraschend ist aber die Passage, in der Guttenberg davon spricht, dass er auch ohne die Plagiatsaffäre vor dem Ende der Legislaturperiode 2013 zurückgetreten wäre. Der Grund: Er habe sich nicht zu sehr vom Politikbetrieb vereinnahmen lassen wollen. Das will er Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende 2010 auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekündigt haben.

Comeback?

Auch die Führung seiner eigenen Partei hat Guttenberg nachhaltig vergrätzt, allen voran CSU-Chef Horst Seehofer. In der Bevölkerung ist die Stimmung gespalten. 72 Prozent glauben nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag, dass Guttenberg bewusst getäuscht hat. 62 Prozent wollen ihn seit seinem Rücktritt gar nicht vermisst haben. Allerdings befürworten 45 Prozent eine Rückkehr des gescheiterten Verteidigungsministers in die Politik.

Der Gegenwind aus den Medien und der eigenen Partei wird Guttenberg aber wohl nicht davon abhalten, seine Comeback-Kampagne fortzuführen. Am deutlichsten zeigt das die Antwort auf die Frage, ob er sich als Opfer einer Menschenjagd sieht: "Eines ist den Jägern nicht gelungen: Mich endgültig zur Strecke zu bringen oder dauerhaft aus dem Revier zu vertreiben."