Politik 05.12.2011

Jetzt spricht das DSKs Zimmermädchen

In ihren ersten Interviews gibt die 32-Jährige, die laut Staatsanwaltschaft gelogen hat, ihre Version der Begegnung im Sofitel preis.

Nach wochenlangem Schweigen bekräftigt die aus Guinea in die USA eingewanderte Frau ihre schweren Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Ex-IWF-Chef, den Franzosen Dominique Strauss-Kahn. Newsweek veröffentlichte die Version von Nafissatou Diallo im Stil einer Zeugenaussage und in wörtlicher Rede. Die Reporter berichten, dass Diallo weder lesen noch schreiben kann. In ABC-News schüttet sie der afro-amerikanischen Reporterin Robin Roberts ihr Herz aus: "Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass er ins Gefängnis kommt."

Trotz der erheblichen Zweifel der New Yorker Staatsanwälte an den Aussagen der Frau ist das Verfahren gegen DSK noch nicht niedergeschlagen. Die Anwälte der Frau, bekannte Menschenrechtsaktivisten, hoffen, damit in eine neue Runde treten zu können. Die Kritik aber lautet, Diallo soll versucht haben, aus ihren Vorwürfen Geld zu schlagen und das auch in einem abgehörten Telefonat mit einem Häftling bekräftigt haben. Dieser Drogendealer hatte auf ihrem Konto 100.000 Dollar geparkt. Strauss-Kahns Verteidiger behaupten, es habe Sex gegeben, der aber einvernehmlich gewesen sei. Nafissatou Diallo sei "die erste Klägerin in der Geschichte, die eine Medienkampagne dirigiert, um die Strafverfolger dazu zu bringen, den Mann anzuklagen, von dem sie Geld will", sagten die Anwälte dem Sender CNN.

In Newsweek beschreibt Diallo, wie sie in die Suite 2806 kam, in dem Vorraum stand, von dem sie in das Schlafzimmer habe sehen können, als ein nackter Mann mit weißen Haaren aufgetaucht sei. Sie habe gesagt: "Oh mein Gott, es tut mir leid" und habe gehen wollen. "Das muss ihnen nicht leid tun", habe Strauss-Kahn gesagt. Er habe auf sie "wie ein Verrückter " gewirkt, nach ihren Brüsten gegriffen und die Tür zugeschlagen. "Sie sind wunderschön", habe Strauss-Kahn gesagt und sie ins Schlafzimmer gedrängt. Diallo: "Ich sagte, ,Sir , hören Sie auf. Ich will meinen Job nicht verlieren.' Er sagte: ,Sie werden Ihren Job nicht verlieren.'" Dann habe er sie hart auf das Bett geworfen und versucht, seinen Penis in ihren Mund zu stecken.

"Ich denke nicht an Geld"

Soweit die Schilderung der Frau. In Newsweek sagt sie weiter: "Ich weiß, was mir dieser Mann angetan hat. Ich will, dass er ins Gefängnis geht. Ich will, dass er weiß, dass es Orte gibt, an denen ihm seine Macht, sein Geld nichts nützen. Gott möge ihn strafen." Und dann sagt die Frau, die nicht lesen und schreiben kann: "Wir sind arm, aber wir sind rein. Ich denke nicht an Geld." Ihre Anwälte sollen im Auftrag Diallos alle verklagen, die behaupten, dass ihr Lebenswandel gar nicht so rein sei. "Wegen ihm nennen sie mich eine Prostituierte", sagt sie. Strauss-Kahns Anwälte erklärten am Sonntag, die Interviews seien ein letzter Versuch der Hotelangestellten, Geld aus Strauss-Kahn herauszuholen. Der französischen Schriftstellerin Tristane Banon, die ebenfalls Vergewaltigungsvorwürfe erhebt, unterstellen sie Geltungssucht.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011