Politik 30.12.2011

Irak: Neue Führer, alte Spielregeln

© Bild: REUTERS

Vor fünf Jahren wurde Saddam Hussein gehängt. Doch auch nach dem Tod des Diktators sind viele Strukturen im Irak gleich geblieben.

Die Klappe unter seinen Füßen öffnete sich, während er den zweiten Satz des islamischen Glaubensbekenntnisses sprach. Und dann war er tot, baumelte am Strick unter dem Jubel seiner Henker. Vor fünf Jahren wurde Saddam Hussein, der vor dem Einmarsch der Amerikaner allmächtige Herrscher des Irak, hingerichtet. Eine schaurige Racheorgie, deren Details durch grobkörnige Handy-Videos publik wurden.

Das Ende des Totalitarismus im Irak sollte die Hinrichtung markieren. Wie sich fünf Jahre danach und kurz nach dem Abzug der amerikanischen Kampftruppen aber herausstellt, sind viele Strukturen gleich geblieben. Hatte Saddam Husseins Macht auf der sunnitischen Minderheit gefußt, so dominiert heute die schiitische Mehrheit. Aber unverändert prägen ethnische Differenzen das politische Leben. Differenzen, die massive Sprengkraft in sich bergen.

Neuwahlen

Der Irak steht an der Schwelle zum Bürgerkrieg – oder steckt zumindest in der tiefsten politischen Krise seit Jahren. Nur Tage hatte es nach dem US-Abzug gedauert, bis die überkonfessionelle und -ethnische Regierung des schiitischen Premiers Nuri al-Maliki de facto Geschichte war. Und ebenso gewissermaßen auch die Einheit des Irak. Zunächst hatte die Justiz einen als politisch motiviert kritisierten Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Hashimi erlassen. Hashimi floh in den kurdischen Norden, wo er unter dem Schutz von Präsident Jalal Talabani steht – ein Kurde. Al-Maliki legte nach und feuerte den sunnitischen Vize-Premier Salih al-Mutlak – worauf hin die sunnitischen Minister und Abgeordneten die Arbeit verweigerten.

Jetzt stehen Neuwahlen im Raum. Eingefordert werden solche vor allem von Muktada al-Sadr, der mächtige Mann hinter dem Premier – ein radikaler, pro-iranischer schiitischer Geistlicher, der primär seine eigene, schlagkräftige Miliz stärken will.

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( Kurier ) Erstellt am 30.12.2011