Politik | Inland
15.06.2018

"Zerstört Gesellschaft": Schwarzer AK-Chef gegen 12-Stunden-Tag

Tiroler Arbeiterkammerpräsident gegen Liberalisierungspläne von Türkis-Blau - Köstinger und Hartinger verteidigen Vorhaben.

Der Initiativantrag der Bundesregierung zur Arbeitszeitflexibilisierung hat zu erbitterter Kritik des Tiroler Arbeiterkammerpräsidenten Erwin Zangerl geführt. Dies ist brisant, da dieser in dem westlichen Bundesland aus der ÖVP kommt. "Das ist der Beginn der mutwilligen Zerstörung unserer Gesellschaft, vor allem unseres Familien-, Vereins- und Soziallebens", polterte der schwarze AK-Chef in einer Aussendung.

"Diese unsozialen Türkisen"

"Als christlich-sozialer schwarzer Arbeitnehmervertreter schäme ich mich für diese neoliberale Politik, die diese unsozialen Türkisen derzeit betreiben. Die Industrie hat vor den Wahlen in die Regierung investiert und verlangt jetzt ihren Anteil", erklärte Zangerl, der in der Vergangenheit bereits mehrmals als vehementer Kritiker von Türkis-Blau auftrat. Aus Angst, dass dieser "hinterhältige Anschlag auf die Arbeitnehmer und ihre Familien" von den Interessenvertretungen, Verbänden und NGOs in der Luft zerrissen werde, komme die geplante gesetzliche Verschlechterung nicht einmal mehr in den normalen Gesetzes-Begutachtungslauf, sondern soll im Wirtschaftsausschuss des Parlaments abgehandelt werden. "Wie feig ist denn das?", fragte der Tiroler AK-Chef.

"Schwarzer Tag"

Erwartungsgemäß scharfe Kritik kam auch von Tirols ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth, der SPÖ-Funktionär ist. "Gestern war ein schwarzer Tag für ArbeitnehmerInnen. Hinter der sogenannten ' Arbeitszeitflexibilisierung' versteckt sich nichts anderes als eine Ausweitung der Arbeitszeiten. Freiwilligkeit wird es in sehr vielen Fällen nur auf dem Papier geben", meinte er in einer Aussendung.

Köstinger: Stärkung des Tourismus

Landwirtschafts- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erwartet sich hingegen, dass der heimische Tourismus gestärkt werde. Die Ruhezeiten von Arbeitnehmern werden von elf auf acht Stunden verkürzt. Zwischen Dienstende und Arbeitsbeginn in der Früh müssen also künftig weniger Stunden liegen. Weiters soll - nicht nur im Tourismus - die maximal mögliche Arbeitszeit pro Tag auf zwölf Stunden erhöht werden.

"Damit haben wir einen weiteren wesentlichen Punkt aus dem Regierungsprogramm umgesetzt und mehr Flexibilität für Betriebe und Mitarbeiter/innen geschaffen", sagte Köstinger in einer Aussendung.

Hartinger-Klein: Vorteile auch für Arbeitnehmer

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) sieht eine "deutliche Verbesserung der Work-Life-Balance" durch die geplante neue Arbeitszeitregelung. Gerade junge Menschen wollten mehr Flexibilität in ihrer Lebensgestaltung, und "dazu gehört auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit", sagte Hartinger-Klein ebenfalls laut einer Aussendung. "Menschen wollen arbeiten, um sich etwas aufzubauen, das darf das Gesetz nicht verbieten", sagte die FPÖ-Politikerin weiter.

Voll des Lobes zeigte sich auch ÖVP-Wirtschaftsbundchef und Abgeordneter Franz Hörl. "Was lange währt, wird endlich gut", beurteilte er die Reform der Regierung. Mit der Umsetzung dieser zentralen Forderung an eine moderne Arbeitswelt stärke Österreich seine Standortattraktivität und damit auch seinen Arbeitsmarkt massiv.