Politik | Inland
06.11.2018

Wie Schulen auch ohne PC oder Internet "Zukunftschulen" werden

Trotz "Digitaler Grundausbildung" fehlt es noch Grundsätzliches - wie Compter oder Internetzugänge

„Herr Präsident, bitte suchen Sie sich vier Karten aus“, sagt der elfjährige Kaan zum Wiener Präsidenten der Industriellenvereinigung, dem Siemens-Manager Wolfgang Hesoun. Kaan ist einer von elf Kindern in einer jahrgangsübergreifenden Klasse von Lehrerin Veronika Ruehs. Es sind die „Mathemagier“, ein Projekt zur Begabtenförderung, schnelle Kopfrechner aus alle Jahrgängen.

Hesoun sucht die Karten aus, dann werden sie zufällig zurück in den Kartenstapel gesteckt, Kann blickt konzentriert auf den Kartenstapel, mischt immer wieder und – schwupps – zieht die vier Karten des prominenten Gastes wieder hervor. Die Übung ist gelungen.

Hoher Besuch an diesem Dienstagmorgen in der NMS Gassergasse: Präsident Hesoun kommt gemeinsam mit dem Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer in die NMS Gassergasse von Direktorin Andrea Walach. Die Schule ist eine von 12 „Zukunftsschulen“, die Hilfe von der Industriellenvereinigung bekommt. Da geht es um Berufsorientierung, Praktika-Vermittlung, aber auch Seminare für die Pädagogen zu Wirtschaft und Industrie. Zudem werden auch Facharbeiter an die Schulen geschickt, um ihre Berufe und die Qualifikationen vorzustellen. Die „Mathemagier“ sind Teil der MINT-Förderung, bei der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im Vordergrund stehen.

Tatsächlich hapert es aber noch an der Infrastruktur. „Wir haben 16 Computer-Arbeitsstationen, die Geräte sind veraltet, und für 230 Kinder viel zu wenig“, erzählt Direktorin Walach. „Dazu noch vier Laptops für 30 Pädagogen. Die Arbeitsstationen werden demnächst erneuert, leider geht es sich nicht aus, 25 Computer zu bekommen, damit eine ganze Klasse damit arbeiten kann.“ Das sei nicht zuletzt ein Problem, da die Politik ja die „Digitale Grundbildung“ im Lehrplan verankert hat, aber (noch) nicht die Finanzierung für die Infrastruktur.

Bildungsdirektor Himmer weiß um das Problem nur allzu gut Bescheid. Er sei mit der Wirtschaftskammer und der Stadt Wien im Gespräch, zumindest den ersten Klassen Tablets zu geben. „15.000 Geräte, das ist nicht wenig, aber machbar. Derzeit ist ja nicht geklärt, wer dafür eigentlich zuständig ist.“

Dabei hat Walach Glück, sie hat einen privaten Sponsor gefunden, der Tablets besorgt und die Internet-Anbindung im Voraus bezahlt hat.

Was fehlt – abgesehen vom technischen Equipment? „Dass die Kinder, die zu uns aus den Volksschulen kommen, Lesen, Schreiben und Rechnen können. Ich habe einen Elfjährigen, der das kleine Einmaleins nicht kann“, klagt die Direktorin.

Das habe auch damit zu tun, dass den Erstklässlern in der Volksschule Grundlegendes fehle, sie können etwa immer öfter Farben – Rot, Grün, Blau – nicht benennen.

So wird es schwierig, die Kinder auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten.