Wie ein Saudi-Prinz 300 Millionen Dollar in Österreich parken wollte

U-AUSSCHUSS ZUM INNENMINISTERIUM: SCHNEIDER
Foto: APA/Roland Schlager Peter Fichtenbauer und Peter Pilz (re.)

Pilz deckt auf: Prinz Khalid wollte 300 Millionen in bar anlegen. Heutiger FPÖ-Volksanwalt suchte nach Möglichkeiten.

Aufdecker Peter Pilz hat wieder einmal gegraben und ein Dokument (es liegt dem KURIER vor) gefunden, das den blauen Sumpf rund um die Hypo Alpe Adria besser nicht dokumentieren könnte. Verwickelt sind in der Causa nicht – wie Heinz Christian Strache gerne propagiert – Protagonisten der "alten FPÖ", sondern der aktuelle blaue Volksanwalt Peter Fichtenbauer.

Die "CSI Hypo" fand in den unzähligen Unterlagen 2010 einen interessanten Aktenvermerk, den die Hypo-Anwälte zu einer Anzeige wegen Geldwäsche veranlasste.

Worum geht es? Um die Abwicklung eines delikaten Geld-Deals. Im August 2004 will der saudische Prinz Khalid 300 Millionen Dollar bei der Hypo Alpe Adria veranlagen. Hinsichtlich der Veranlagung steht im Aktenvermerk: Es besteht "Interesse an konservativen US-Dollar Investitionen und (...) auch an eigenkapitalähnlichen Investitionen in die Bank."

Für Pilz ist klar, der Prinz wollte keine konservative Veranlagung, sondern "schwarzes Saudi-Geld in sauberes Euro-Geld verwandeln." Dafür suchte er "eine Bank in Europa und die Hypo zeigte sich interessiert", so der Aufdecker.

Detaillierte Pläne

Die rechtliche Vertretung des Saudi-Prinzen übernimmt der FPÖ-Volksanwalt Peter Fichtenbauer gemeinsam mit einem weiteren Anwalt. Auch Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer war maßgeblich miteingebunden.

Er wollte den Prinzen mit den Geldkoffern persönlich am Flughafen empfangen. Ein besonderes Schmankerl ist die Abwicklung des Deals, die detailliert im Aktenvermerk der Hypo skizziert wird: "Sichergestellt ist, dass der Prinz zwischen 18. und 25. August 2004 mit dem Bargeld in Wien landen wird. (...) Im übrigen wird unsererseits (Anm. d. Red: Hypo) als Kosten für die Abwicklung der Transaktion 0,5 % zuzüglich MwSt. von den 300 Mio. Dollar festgelegt. (...)Um den ordnungsgemäßen Ablauf zu gewährleisten, wird es erforderlich sein, dass eine Besprechung stattfindet, an der (...) Dr. Fichtenbauer und jedenfalls Vertreter der Hypo anwesend sind."

FPÖ-Mann Fichtenbauer gibt gegenüber dem KURIER zu, dass er im Auftrag des wahhabitischen Prinzen nach eine Veranlagungsmöglichkeit der 300 Millionen Euro in bar suchte und Erkundungen machte. Fichtenbauer führte Gespräche mit der Hypo, erkundigte sich auch bei der Nationalbank, ob eine Barveranlagung möglich wäre. Die gab angeblich grünes Licht für den Saudi-Deal. "Aber letztendlich kam die Transaktion nicht zustande. Damals schon gab es Gerüchte, dass die Hypo nicht sehr gut da steht", so der Volksanwalt. Ist es üblich, dass Fichtenbauer Klienten hat, die in einem Koffer 300 Millionen Dollar nach Wien bringen? "300 Millionen gehen nicht in einen Koffer hinein", antwortet Fichtenbauer offen.

Die Staatsanwaltschaft startete 2010 auf Grund der Anzeige mit den Ermittlungen, denn auch der Versuch der Geldwäsche ist strafbar. Allerdings gab es eine Crux: Um Geldwäsche anzuklagen, muss man eine Vortat wie etwa Untreue oder Betrug nachweisen. "Da wusste die Staatsanwaltschaft, dass sie bei einem Saudi Prinzen nicht weiterkommen wird", so Pilz. Deswegen wurde der Akt geschlossen.

(kurier) Erstellt am
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