Schneyder: Mit der eigenen Biografie erklärt er Österreich

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Lesetipp
04/15/2014

Warum aus Jörg Haider kein Skilehrer werden konnte

Werner Schneyder analysiert Kärntens "Polit-Playboy" und das Faschistoide an Olympia-Eröffnungen.

von Christian Böhmer

Er war vieles: Journalist und Werbetexter, Dramaturg am Theater, auch Regisseur, er hat mit Leidenschaft Sport kommentiert – vorzugsweise Boxen – und natürlich war er Kabarettist, Satiriker, Essayist. Werner Schneyder, nun 77 geworden, hat wieder ein Buch geschrieben. Und obwohl er sich ebenso gerne über Sport oder Theater ausgelassen hätte, musste es diesmal die Politik sein – es war für ihn das drängendste Buch, sagt er.

Als säße der Leser neben ihm auf einer Parkbank, erzählt Schneyder vergnügt, aber nicht nur vergnüglich aus seinem Leben. Anekdotisch, aber allgemeingültig.

Da ist die Kindheit. Nächte im Luftschutzkeller eines Klosters; ein abgerissener Kriegsheimkehrer, dem er, der junge Angler, einen frisch gefangenen Barsch schenkt; eine Flüchtlingskarawane auf der Hauptstraße, schlafende Kinder auf Pferdefuhrwerken, Menschen mit leeren Gesichtern.

Dann die Schul-, und Studienzeit, in der ein Geschichtslehrer mit nur einem Satz zu einer Schlacht die Welt des Jungen auf den Kopf stellt (Der Professor sagte: "Meiner Meinung nach haben so viele gar nicht gekämpft" und Schneyder wusste: Nicht alles, was Autoritäten behaupten oder schlaue Bücher erzählen, ist unumstößlich).

Und schließlich ist da der große Teil seines Lebens, seine Berufung, die Zeit der Satire, in der er etwa acht Jahre an der Seite eines Dieter Hildebrandt politisch-literarisches Kabarett erdachte und sich nebst Kästner, Qualtinger und Farkas einen "Stern der Satire" verdiente.

"Von einem, der auszog, politisch zu werden" ist über weite Strecken herrlich leicht zu lesen. Schneyder streut Lied- und Kabarett-Texte ein, viele erschreckend aktuell, obwohl sie Jahrzehnte auf dem Buckel haben.

Haiders Liebessehnsucht

Gerne rieb sich der Wahlkärntner an Jörg Haider. Die Behauptung, der frühere Landeshauptmann wäre ein Nazi gewesen, war Schneyder stets zu plump. "Wäre dieser hochbegabte Mann nicht seinen privaten Schwächen, seiner pathologischen Rampen- und Liebessehnsucht zum Opfer gefallen, hätte er es in Österreich zum Kanzler bringen können", schreibt Schneyder. Für ihn war der andere Wahlkärntner Haider weder ein nazistischer Liberaler noch ein liberaler Nazi, sondern einfach ein "politischer Playboy". "Für einen Dressman zu kurz, für einen Schauspieler zu unbegabt, für einen Skilehrer zu gebildet. Blieb nur Politiker."

Am vergnüglichsten ist Schneyder, wenn er von den eigenen Ausrutschern ins Bitterböse erzählt. Fürs ZDF durfte er die Schlusszeremonie der Olympischen Spiele in Barcelona kommentieren. "Die mystische, faschistoide Ästhetik ging mir von Anfang an auf die Nerven." Also ätzte er ohne Ende und als "die Sache", also die Zeremonie, "unheimlich laut wurde", als Böller und Detonationen krachten, konnte er nicht anders, als an den gerade "auf der anderen Seite des Meeres" tobenden Balkankrieg zu erinnern: " In Sarajevo ist es leiser." Es kam ein langer Brief des Programmdirektors, Schneyder sollte nicht mehr fürs ZDF kommentieren. Ihn kränkte das nicht wirklich. Es war ihm nicht passiert, sondern ein Anliegen. Es war seine Haltung.

BuchtippWerner Schneyder: "Von einem, der auszog, politisch zu werden", 256 Seiten, Westend Verlag, 19,99 Euro

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