Politik | Inland
17.10.2017

Kogler: Nummer Zwei wird (wieder) Notfall-Chef

Der über Parteigrenzen hinweg respektierte Werner Kogler muss nun aufsammeln, was von den Grünen übrig geblieben ist. Und das nicht zum ersten Mal.

Es ging selten friedlich zu im Nationalratssitzungssaal, damals um und nach 2015, wenn der Hypo-Skandal und seine Aufarbeitung im U-Ausschuss zur Debatte standen. Die Reden der Ausschuss-Mitglieder quittierten die Abgeordneten der anderen Parteien routinemäßig mit Zwischenrufen, höhnischem Gelächter, demonstrativem Desinteresse. Nur wenn Werner Kogler ans Rednerpult trat, wurde es ruhig und selbst die größten Gegner der Grünen legten Zeitung und Smartphone weg. Keiner von ihnen kannte sich in der Materie besser aus als Kogler. Und wenige wären in der Lage gewesen, sie so bildhaft darzustellen.

Dem designierten neuen Parteichef der Grünen eilt der Ruf des versierten Sachpolitikers voraus, des geschickten Verhandlers, bodenständig, pragmatisch, einer der Realos in der Partei. Im Parlament fiel der langjährige Budget- und Finanzsprecher vor dem Hypo-U-Ausschuss mit Enthüllungen im Bankenausschuss, seiner scharfen Kritik an Karl-Heinz Grasser und als Vielredner auf. Er hält nach wie vor den Rekord für die längste Rede im Stile eines "Filibuster". 2010 verließ er 12 Stunden und 42 Minuten das Rednerpult nicht, um gegen den Budget-Voranschlag 2011 zu protestieren (hier als Protokoll nachzulesen). Vergeblich, doch den Rekord hält er noch heute.

Grüner Veteran

Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler studierte Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften und war in den 1980er Jahren Gründungsmitglied der Alternativen Liste Steiermark und Österreich. Von 1985 bis 1988 war der heute 55-Jährige Gemeinderat in Graz. Seit 1999 sitzt er im Parlament, war Leiter des Rechnungshofausschusses und auch Eva Glawischnigs Stellvertreter im Parlamentsklub. Zuletzt war Kogler weiterhin Mitglied des Rechnungshofausschusses sowie der Haupt-, Budget- und Finanzausschüsse für die Grünen. Sportlich ist er dem SK Sturm zugeneigt.

Erfahrung als Feuerwehrmann

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Partei in einer Notzeit an Kogler wendet. Er musste in seinem Heimatbundesland Steiermark nach der verlorenen Wahl 2005 schon einmal in die Bresche springen und die Funktion des Landessprechers übernehmen. Auch vor der Landtagswahl 2010 übernahm Kogler kurzfristig die Spitzenkandidatur, nachdem sein Vorgänger überraschend aufgegeben hatte. Damals meinte Kogler übrigens noch, er sehe sich als "eine klassische Nummer zwei und eher nicht geeignet für die ganz allererste Reihe".