Politik | Inland
02.07.2017

Wenn (Spalt)-Pilz den Prinz Pezi gibt

Peter Pilz, politisch mehr denn je Hansdampf in allen Gassen, hat auch privat viele ungewöhnliche Seiten.

Er ist gerade dabei, seine Zeitmessung neu zu justieren. Dafür greift er in die Lade, wo sich die Uhren in Boxen geradezu stapeln, holt einen seiner zahlreichen Chronometer heraus und dreht mehrmals an der Krone seiner Uhr.

Dieses Ritual mag in diesen Tagen Symbolwert für Peter Pilz haben. Hält er doch die Medien mit seinem spontanen Plan, mit einer eigenen Liste bei der Nationalratswahl ins Rennen zu gehen, momentan auf Trab.

Was kaum jemand weiß, und das überrascht etwas, ist dass der Korruptionsjäger seit 20 Jahren ein leidenschaftlicher Uhrensammler ist. Auf zwei ausgefallene amerikanische Marken hat er sich fixiert. "Ich sammle Hamilton und Elgin-Uhren. Das Design aus den 20er- bis 60er-Jahren finde ich am interessantesten", schwärmt Pilz.

Echte Schönheiten sind für den Aufdecker Chronometer mit asymmetrischem Design. Beeindruckend groß ist seine Sammlung, dabei liegen die wertvollsten Modelle in einem Safe auf der Bank. Darunter befinden sich auch echte Raritäten wie das Illinois Chesterfield Modell. "Davon gibt es nur sieben Stück auf der Welt."

"Aufhören wäre nobler"

Nicht alle seine langjährigen Wegbegleiter sehen Pilz’ neue Zeitrechnung so euphorisch wie der Altstar selbst. Der renommierte Profil-Journalist Herbert Lackner, der einige Aufdecker-Storys wie den Noricum-Skandal in Kooperation mit Pilz an die Öffentlich brachte, ist skeptisch. "Er ist zwar ein echter Verlust für die Grünen, aber ich hätte es nobler von Peter gefunden, wenn er mit 64 aufhören würde." Er warnt Pilz, sich von Bürgern, die ihm nun auf der Straße "Toi, toi, toi" wünschen, blenden zu lassen. Wähler, die dem "links-linken Politiker die Stimme geben", schießen nicht wie Pilze aus dem Boden. "Am Ende bekommt er 3,9 Prozent, schafft nicht den Einzug und die Grünen sind auch kaputt". Ein zu "hohes Risiko", laut Lackner, nur um "seine Verbitterung" abzureagieren.

60–70 Forellen/ Stunde

In ein Loch würde Pilz in der Polit-Pension ohnehin nicht fallen, pflegt er doch zahlreiche und vor allem ungeahnte Hobbys. Sein Image des Einzelgängers (Lackner: "Ich habe noch nie einen Politiker gesehen, der so auf eigene Faust handelt.") spiegelt sich auch bei den Freizeitaktivitäten wieder. Fliegenfischen, Bergsteigen, Tauchen oder Pilze sammeln praktiziert er überwiegend und auch gerne als Solist. Pilz’ Rückzugsrefugium, der in Wien nach wie vor in einer Gemeindewohnung lebt, ist "seine Huam" (Hube) bei Kapfenberg, die er von den Eltern geerbt hat. Sein Vater war es auch, der ihm als "kleiner Bua" das Fliegenfischen beibrachte. Mit größter Leidenschaft kann Pilz minutenlang über diverse Fliegenbindemuster und Wurfarten auf Expertenniveau referieren.

Vier bis fünf Stunden ist er da in den Gewässern alleine unterwegs. "Am schönsten ist es am Abend, da springen die Fische wie Torpedos aus dem Wasser. In einer Stunde schafft man, 60 bis 70 Forellen zu fangen", schildert Pilz. Ein 20 Kilo-Karpfen war der Höhepunkt seiner Ausbeute. "Da kämpft man 45 Minuten mit dem Fisch und spürt seine Oberarme nicht mehr."

Erdig, bodenständig, ursprünglich und so gar nicht zu den Bobo-Grünen der Stadt passt das Leben des Peter Pilz. Mit dem benachbarten Bauern hat er nun ein neues lukullisches Projekt in Angriff genommen. Sie wollen im Keller des Bauernhofes eine Hirschwurst mit nordafrikanischen Gewürzen produzieren. Genau dieses Gespür für die einfachen Menschen, stimmt seinen Freund Robert Wiesner für die Nationalratswahl optimistisch. Der ORF-Report-Chef kennt Pilz seit Studentenzeiten. Als Pilz mit zwei anderen Kollegen von Michael Häupl vom "Verband Sozialistischer Studenten" ausgeschlossen wurde, war Wiesner einer davon. "Peter ist ein Menschenfischer. Er findet zu allen Menschen, vom Bauern bis zum Militärgeheimdienstchef, einen Draht. Dass er nun im Wahlkampf durch die Wirtshäuser touren will, überrascht mich nicht."

My Baby, balla balla

Doch warum gilt Pilz dann als kompromisslos, als Enfant terrible der Grünen, wenn er offenbar zu jedem eine Gesprächsbasis findet? Pilz-Kenner Wiesner: "Er neigt zu starken Überzeugungen und geht dann unbeirrt seinen Weg. Aus diesen Konflikten schöpft er auch seine Energie."

Was Freunde unisono berichten: Pilz gibt gerne den "Spaßvogel". Legendär seine Auftritte mit seiner Scherzband Prinz Pezi und die Staatssekretäre mit dem sinnentleerten Song My Baby, Baby balla balla. Seit sein bester Freund, der Historiker und Gitarrist der Band, Siegi Mattl verstorben ist, gibt es kaum noch Auftritte. "Gerade bei Siegi hat sich gezeigt, wie Peter Menschen motivieren kann", so Pilz-Freund Wiesner, "Siegi hätte auf einem viel höheren Niveau spielen können, aber Peter war der Initiator für die Spaßpartie."