Politik | Inland
13.06.2017

Was Schulen können, wenn sie wollen

Jetzt fehlt nur Ja der Grünen. Was die Schulautonomie für den Alltag an den Schulen bringt.

Sonntagnachmittag einigte sich die Regierung auf die Bildungsreform. Der KURIER gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen .

Ist die Bildungsreform jetzt fix?

Nein. Die Regierung braucht für einen Parlamentsbeschluss die Stimmen der Grünen. Jetzt liegt ein Vorschlag von SPÖ und ÖVP vor, den die Grünen erst bewerten werden. (Update, Dienstagmorgen: "Grüne sagen Nein zu Schulautonomie-Entwurf"). Erwartet wird, dass die Partei nur einige Details nachverhandeln will und letztlich zustimmen wird.

Wem nützt die Reform politisch kurz vor der Wahl?

Der SPÖ, den Grünen, aber auch der ÖVP. Den Roten, weil sie die Reform seit zwei Jahren federführend verhandelt haben, beharrlich blieben und sich weitestgehend durchgesetzt haben. Den Grünen, weil sie als Zünglein an der Waage das für sie Maximale erreicht haben, nämlich den Start der Gesamtschule in Vorarlberg (auch wenn der tatsächliche Beginn nicht vor 2025 erwartet wird). Aber auch die ÖVP kann sich den Verhandlungserfolg auf die Fahnen heften, schließlich wird die Einigung nur möglich sein, weil die Schwarzen ihren Widerstand gegen die Gemeinsame Schule aufgegeben haben.

Worum geht’s bei der Reform?

Das enge Korsett für Direktoren und Lehrer, wie sie den Unterricht gestaltet dürfen, wird abgelegt. Die Schulen können künftig weitgehend selbstständig ("Schulautonomie") über ihren Schulalltag (Öffnungszeiten, Unterrichtszeiten, Art des Unterrichts) entscheiden.

Wo soll da der große Wurf sein?

Bildungsministerin Hammerschmid wurde nicht müde zu betonen, dass die Reform vor allem ein "Ermöglichungspaket" ist. Weltweit kommen alle Schulstudien letztlich zum (wenig überraschenden) Schluss, dass es vom Lehrer abhängt, ob die Schüler etwas lernen. Jetzt wird es vor allem an den Direktoren und den Lehrern am Standort liegen, ob sich etwas an ihrem Standort verbessert. Viele Schulen werden damit gut umgehen können, einige wenige werden wohl herausragende neue Modelle für ihren Schulstandort entwickeln, etwa durch Kooperationen mit der Feuerwehr, den Sport-, Tanz-, Kultur- und Kunstvereinen, oder etwa mit dem örtlichen Astronomieklub, Wirtschafts- und Handelsbetrieben in der Umgebung oder auch mit Fachhochschulen und Unis.

Welche Teile der Reform bleiben umstritten?

Die Klassenschülerhöchstzahl wird nicht mehr mit 25 limitiert sondern vom Schulleiter im Einvernehmen mit den Schulpartnern festgelegt. Kommt es zu keiner Einigung entscheidet die Bildungsdirektion im Einvernehmen mit der Personalvertretung. Umstritten sind auch die Schulverbände ("Cluster"), wo sich bis zu acht Schulen mit nur mehr einem Superdirektor (Clusterleiter) zusammenschließen können. Kleinere Schulen innerhalb der Cluster fürchten, dabei ins Hintertreffen zu geraten.

Und was kommt in Sachen Gesamtschule?

Diese wird in Vorarlberg erstmals ausprobiert werden, die Planungen können nun beginnen, eine Umsetzung wird es erst ab 2025 geben. Dann können aber alle Kinder bis 14 Jahre in jeweils einem Schultyp unterrichtet werden.

Und was bedeutet die Einigung für andere ausstehende Regierungsprojekte?

Das kann positiv bewertet werden. Die Rektoren etwa haben Kampfmaßnahmen vorerst abgesagt, sie hoffen nun auch auf Konsens bei den Uni-Themen, also ein Beschluss über das Uni-Budget als auch für neue Zugangsregeln in überlaufenen Fächern. Die SPÖ ist bei letzterem zuletzt aber sehr zurückhaltend gewesen.