Politik | Inland
17.03.2018

Warum Österreichs "First Lady" gerne im "Saftbeisl" vorbeischaut

Präsidentengattin Doris Schmidauer unterstützt Hilfseinrichtungen für Frauen.

Zehn Jahre hielt sie ihn aus, den Mann. Was genau er alles zu Frau Rosi gesagt oder gar ihr angetan hat, das soll an dieser Stelle nicht näher erörtert werden. Es wäre ohnehin nur bedrückend.

Nur soviel: Im Winter setzte er sie vor die Tür. Einfach so. Kurz vor Weihnachten war das. Und da musste sich Frau Rosi plötzlich überlegen, ob sie auf der Straße bleiben oder irgendwo anders unterschlüpfen kann.

Frau Rosi konnte – und zwar im "Haus Miriam" der Caritas in Wien-Währing.

Der Mut, den man aufbringen muss, um binnen Stunden sein gewohntes Umfeld, ja sein gesamtes Leben hinter sich zu lassen und Hilfe zu suchen, ist für Außenstehende meist nur schwer nachzuempfinden.

Umso beeindruckender ist es, wenn es gelingt – wie den 38 Frauen, die im Haus Miriam betreut werden.

In einer geschützten Atmosphäre werden die "Klientinnen", wie man sie hier nennt, aufgepäppelt. Im Schnitt ist eine Frau rund 14 Monate hier. Es wird nicht geprügelt, nicht geschrien. Für viele ist allein das eine massive Verbesserung.

Schirmherrin

Heute ist Doris Schmidauer zu Gast. Als Schirmherrin unterstützt die Ehefrau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Spendenaktion #wirtun, mit der die Caritas vor allem Geld für Frauen in Not sammelt. Gut eine halbe Million Frauen ist in Österreich armutsgefährdet oder akut armutsbetroffen. Dementsprechend hat die "First Lady" eine klare Mission: "Ich will mithelfen, Hilfsangebote bekannter zu machen und Frauen Mut zu machen, diese Hilfe auch anzunehmen."

Die Hürden sind bisweilen erheblich. "Ich hab’ mir das nicht vorstellen können. Ich dachte, Frauenhäuser sind fürchterlich", sagt Alexandra. Seit drei Monaten ist sie im Haus Miriam. Ihr Freund war alkoholkrank, sie blieb trotzdem bei ihm.

"Ich hab gedacht, dass ich das nicht schaffen kann, so ganz alleine." Irgendwann griff sie doch zum Handy. "Heute habe ich ein neues zu Hause."

Wie Frau Rosi. Erst vor kurzem feierte sie ihren 60. Geburtstag. Im " Saftbeisl", wo die Frauen für gewöhnlich miteinander Kaffee trinken oder Plaudern, bekommt sie von Doris Schmidauer einen Geschenkkorb. Schmidauer ist angetan vom Zusammenhalt der Bewohnerinnen, sie fühlt sich wohl hier.

"Ein Drittel der Frauen war mit erheblicher Gewalt konfrontiert", sagt die Leiterin der Einrichtung Maja Markanovic-Riedl. Die Zahl sagt freilich nicht besonders viel. Zum einen ist es eine eher vorsichtige Schätzung.

Doch abgesehen davon ist "Gewalt" für viele Klientinnen des Hauses Miriam leider etwas sehr Relatives, wie Markanovic-Riedl erklärt: "Für viele Frauen beginnt der Begriff ,Gewalt’ erst, wenn Spitalsaufenthalte ins Spiel kommen." Wie gesagt, die Details sind dann meistens doch eher bedrückend.