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10.08.2017

"Wollen der Polizei ein Gesicht geben"

Projekt soll Vertrauen zur Exekutive aufbauen. Die Gewerkschaft bleibt kritisch.

"Zuerst waren es die Gemeindepolizisten, dann das Bürgerservice und jetzt heißt das Ganze halt ’Gemeinsam.Sicher’. Ob das was bringt, weiß man nicht", sagt der FSG Gewerkschaftsvorsitzende Hermann Wally.

Dass es etwas bringt, davon sind Gerald Gavenda und Gerald Lichtscheidl überzeugt. Die beiden Polizisten sind zwei von insgesamt 22 Sicherheitsbeauftragten in Eisenstadt, die regelmäßig den persönlichen Kontakt mit den Bürgern suchen. An diesem Tag sind sie in der Fußgängerzone in Eisenstadt. "Unser Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen. Die Leute sollen mit ihren Problemen zu uns kommen und sich nicht scheuen, mit der Polizei zu reden", sagt Lichtscheidl. Das sei nämlich das größte Problem, berichten Beamte: Die Hemmungen, die Polizei zu kontaktieren. Hier sollen sogenannte Sicherheitspartner in den Gemeinden als Schnittstelle fungieren. Diese Bürger wurden seitens der Exekutive überprüft und interviewt, ehe sie für das Projekt ausgewählt wurden. Menschen mit Blockwart-Mentalität sind nicht gefragt. Wer nicht passt, wird von seinen Aufgaben wieder entbunden. Regelmäßig erhalten die Sicherheitspartner Berichte von der Polizei, die sie in ihre Grätzel tragen.

Vorurteile abbauen

Bei ihrem Streifendienst wird den Eisenstädter Beamten Gavenda und Lichtscheidl die Aufmerksamkeit der Passanten jedenfalls zuteil. Einige Passanten bleiben stehen und schauen, gehen dann aber doch weiter. Es dauert einige Zeit, dann kommt doch eine Dame auf die beiden zu. Sie erzählt, dass in ihrer Wohnstraße immer wieder Autofahrer durchrasen würden. Sie habe zwei kleine Kinder und Angst, dass da einmal etwas passieren könne. Gerald Gavenda verspricht ihr, dass Kollegen öfter Streife fahren werden. "Mit Verkehrsproblemen werden wir am häufigsten konfrontiert. Und mit dem Flüchtlingsthema. Vor allem Frauen fühlen sich in Gegenwart von Ausländern unsicher", sagt Lichtscheidl. Hier seien die Sicherheitsbeauftragten gefragt, genauer nachzufragen und etwaige Vorurteile abzubauen.

Von Vorurteilen und Unsicherheitsgefühl können Sicherheitskoordinator Norbert Vogel und Bezirkspolizeikommandant Peter Waldinger aus Mödling ein Lied singen. Nach Übergriffen auf Frauen im Herbst wurde im Rahmen des Projekts ein Sicherheitsgipfel einberufen. Man verständigte sich darauf, die Aufsicht zu verstärken, die Gemeinde integrierte die jungen Asylwerber verstärkt in Vereinen und eine Streetworker-Gruppe wurde installiert.

"Seither ist es wesentlich ruhiger geworden. Von Jänner bis August 2016 hatten wir 300 Vorfälle im Bezirk. Zwischen August 2016 und Juni 2017 waren es 60", berichtet Waldinger. Und wenn doch Probleme auftreten, wendet sich die Bevölkerung an die Sicherheitspartner. 71 gibt es im Bezirk Mödling, eine davon ist Sabrina Pöltl. "Ich sage das dann der Polizei", erklärt sie. Die 37-Jährige ist stolz auf ihre Aufgabe. "Mir liegt die Sicherheit am Herzen. Ich mache Präventionsarbeit und bin das Sprachrohr zwischen Bürger und Polizei." Zuletzt organisierte sie etwa einen Selbstverteidigungskurs für Frauen.

Erfolg und Kritik

Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei besser geworden, glaubt Kommandant Waldinger. "Das Projekt senkt die Hemmschwelle mit der Polizei in Kontakt zu treten", meint Vogel. "Wir versuchen der Polizei ein Gesicht zu geben." Dafür würden auch Facebook-Auftritt und Info-Veranstaltungen sorgen.

Das Projekt, das Innenminister Wolfgang Sobotka propagiert, wird laut Gewerkschafter Wally von vielen Polizisten sehr kritisch gesehen: "Man kann es eben nicht überprüfen. Es gibt bestimmt kleine Erfolge, aber im Endeffekt werden Ressourcen für Belange verschwendet, die besser eingesetzt werden könnten." Diese Ressourcen sind Arbeitsstunden jener Exekutivbeamten, die sich freiwillig als Sicherheitsbeauftragter gemeldet haben. Auf jeder Polizeiinspektion gibt es einen Beauftragten und übergeordnet noch Koordinatoren, was in Wien etwa 100 Polizisten entspricht, die für "Gemeinsam.Sicher" arbeiten.