Politik | Inland
29.07.2018

Viele Selfies und ein wenig Aufruhr beim zweiten Teil der Kanzler-Tour

Nicht nur wegen zweier Störaktionen wurde beim ÖVP-Wandertag am Schneeberg auch über Inhalte geredet.

Ganz so groß wie am Grazer Schöckl, wo Sebastian Kurz vor zwei Wochen seine „Bergauf, Österreich“-Sommertour gestartet hatte, war der Andrang beim zweiten Tourstopp am niederösterreichischen Schneeberg nicht. Es wäre aber wohl unfair, das auf mangelnde Mobilisierung der niederösterreichischen Volkspartei zurückzuführen; die hatte sich angesichts der Anwesenheit nicht nur des Bundesparteiobmanns, sondern auch ihrer unmittelbaren Chefin, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, sicher ordentlich ins Zeug gelegt.

Die etwas überschaubarere Schar an Wanderern – nach ÖVP-Schätzungen wurde etwa die Hälfte der 1500 Anwesenden über die Parteiorganisation herbeigerufen – war jedoch nicht der einzige Unterschied zur Steiermark. So war am Schneeberg nicht nur Inszenierung, sondern auch Politik ein Thema. „An so einem Tag mit Blick auf den Berg ist es natürlich schwer, über Inhalte zu sprechen“, hatte Karl Nehammer vor Beginn der Wanderung noch angemerkt – um es dann doch zu tun. Der ÖVP-Generalsekretär lobte Arbeitszeitflexibilisierung und Familienbonus, Sebastian Kurz setzte nach ihm wiederum auf die europäische Perspektive und sprach vor allem über die EU-Ratspräsidentschaft und den Brexit. Johanna Mikl-Leitner lenkte die Aufmerksamkeit nach einem kurzen Exkurs über die Bedeutung Niederösterreichs („die stärkste Region des Landes“) dann aber wieder darauf, worum es wirklich gehen sollte: den Gipfelsturm. Beziehungsweise das entsprechende Beinkleid. Nach einer kurzen Musterung des Kanzlers, der in Wanderhose und T-Shirt erschienen war, legte ihm die Hausherrin, selbst in kurzer Lederhose und Trachtenbluse, für die Zukunft auch eine Lederne ans Herz. Denn: „Seine Wadeln san net so schirch.“

Guerilla-Proteste

Kurz lächelte, vermied aber eine entsprechende Zusage und es ging endlich bergauf. Weit kam die „Neigungsgruppe Krachlederne“ jedoch nicht, denn schon nach wenigen Metern sorgte die erste von zwei Störaktionen an diesem Vormittag dafür, dass die Inhalte wieder im Vordergrund standen. Zwei Aktivistinnen von „Attac“, in Dirndln perfekt getarnt, lüpften ihre Schürzen, unter denen das Logo der globalisierungskritischen NGO sowie eine durchgestrichene 12, das Symbol des Protests gegen den 12-Stunden-Tag, prangten. Der Aktion der Alpen-Femen war jedoch nur überschaubarer Erfolg beschieden, der Sicherheitsdienst drängte sie relativ rasch zur Seite. Etwas erfolgreicher war da schon die Aktion der Sozialistischen Jugend, die die heranziehende Wandergruppe in einem Hohlweg mit Rufen und Transparenten stoppen wollte. Die mitwandernde Polizei hatte die etwa 15 Demonstranten jedoch frühzeitig ausgemacht, wodurch auch diese versuchte Blockade nach kurzer Zeit überwunden war.

Der Kanzler selbst zeigte Verständnis für die Proteste – „ich respektiere immer unterschiedliche Meinungen, egal, wann und wo die kundgetan werden“ –, wünschte sich dann aber angesichts der mitwandernden Kinder doch zumindest einen „ordentlichen Umgangston miteinander“.

Beim nächsten Wandertag am 25. August im oberösterreichischen Almtal wird sich zeigen, ob dieser Wunsch Gehör findet. Und natürlich, ob Mikl-Leitners Wunsch nach einem Lederhosen-Kanzler erhört wird.