© NLK Burchhart

Politik Inland
10/01/2021

Ab heute startet das Öffi-Klimaticket

Die grüne Klimaministerin Leonore Gewessler einigt sich am letzten Tag vor dem Start mit Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Damit wird das Reisen und Pendeln mit Öffis billiger.

von Bernhard Gaul

Versprochen hatten es Regierungen schon seit fast 15 Jahren, jetzt ist es fix. Das „Klimaticket“ genannte Jahresticket für alle Öffis in allen neun Bundesländern kann man ab heute vorbestellen, es gilt frühestens dem Nationalfeiertag am 26. 10. Siehe https://www.klimaticket.at/

Eines vorweg: Falls sie jetzt mit Pendlertickets reisen, die günstiger als das Klimaticket sind, werden Sie auch in Zukunft diese Tickets kaufen können. Das Klimaticket greift nicht in die vorhandenen Tarifsysteme ein.

Das Klimaticket wird im Vollpreis 1.095 Euro kosten. Nur zum Start im Oktober wird es deutlich günstiger sein und 949 Euro kosten.

Für Senioren, Jugendliche bis 25 Jahre und Menschen mit Behinderung wird das Ticket regulär 821 Euro kosten, und nur zum Start im Oktober für 699 Euro zu haben sein.

"So einfach, so günstig und so bequem wie nie zuvor" sei das Klimaticket, so Umweltministerin Leonore Gewessler, die mehrfach darauf verweist, dass das Ticket seit 15 Jahren geplant gewesen ist. Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner als auch Burgenlands SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betonen die intensiven und langen Verhandlungen. So dachte sich Doskozil vor eineinhalb Jahren, wie er sagt, "das wird wahrscheinlich nie kommen". Doch nun sei es möglich, "so billig wie nie öffentlich von A nach B zu kommen", so Mikl-Leitner. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig verdeutlicht die Relevanz des Klimatickets anhand der täglichen Pendler und Wiener Linien-Jahreskartenbesitzer.

Kinderpreise

Kinder unter sechs Jahren reisen wie bisher kostenlos. Aber um einen Aufpreis von 110 Euro wird es möglich sein, bis zu vier Kinder zwischen 6 und 15 Jahren mitzunehmen. Die Kinder müssen nicht mit dem Klimaticket-Besitzer verwandt sein.

Mit der 1. Klasse reisen um 2.455 Euro

Die Bundesbahn bietet zudem ein Upgrade zur 1. Klasse an, dieses wird im Vollpreis zusätzlich 1.355 Euro kosten, das Klimaticket kommt damit im Normalpreis auf 2.455Euro.  Für Senioren kostet das Klimaticket samt Upgrade 1. Klasse 1.851 Euro.

Wo wird es das Klimaticket zum Kaufen geben?

Bei allen Ticketschaltern der Verkehrsverbünde und jenen der  ÖBB und der Westbahn, sowie unter klimaticket.at.

Gibt es steuerliche Anreize für Angestellte?

Ja. Seit  1. Juli 2021 werden   Öffi-Tickets, die der Arbeitgeber Mitarbeitern bezahlt, nicht mehr als  Sachbezug  gewertet und sind damit nicht steuerpflichtig. 

Angekündigt war aber ein 1-2-3-Klimaticket, was ist daraus geworden?

Gewessler hatte ursprünglich Jahrestickets  um 365 Euro  für ein Bundesland, für 2x 365 Euro (730 Euro) in zwei und um 3x 365 Euro (1095 Euro) in allen neun Bundesländern versprochen. Doch da die Tarife der Öffis Ländersache sind, konnte sie dieses Versprechen nicht einhalten, nur die 3er-Stufe für alle neun Bundesländer  wird jetzt umgesetzt.  Das Jahresticket um 365 Euro in einem Bundesland gibt es nur in Wien, in Vorarlberg soll es sogar um zehn Euro billiger sein, und in Salzburg ist es ab 1. Jänner 2022 geplant. Alle anderen Jahreskarten sind teils viel teurer (siehe Grafik). Kärnten hat bisher nur die politische Absicht geäußert, ab 2022 ein Jahresticket um 588 Euro anbieten zu wollen.  Salzburg will das Landesticket ab 2022 um 365 Euro anbieten. 

Warum hat eine Einigung so lange gedauert?

Zwar gibt es die Forderung seit fast 15 Jahren, richtig angegangen ist dieses Projekt vor Gewessler aber kein Verkehrsminister. Das mag auch damit zu tun haben, dass man sich einigen muss mit allen neun Landesregierungen, mit den sieben Verkehrsverbünden und den Bahnbetreibern.
 
Warum gibt es für den Osten eine Sonderlösung?

Hier haben die Verhandlungen bis gestern gedauert, dafür ist es die einzige Region, wo es ein 2er-Ticket gibt, weil das Burgenland und Niederösterreich als ein Bundesland gewertet werden: Das Jahresticket wird 550 Euro  kosten,  wer Wien  dazunimmt, muss    915 Euro (Vollpreis) zahlen. Es gibt kein eigenes Jahresticket nur für Niederösterreich oder nur für das Burgenland.

Ist das wirklich billiger?

Das Ministerium rechnet damit, dass das Klimaticket für zumindest 100.000 Pendler massiv billiger sein wird. Sollte derzeit ein Pendlerticket billiger als das Klimaticket sein, wird es das auch weiterhin geben, das Klimaticket greift nicht in die bestehenden Tarife ein.

Warum „Klimaticket“?

Ministerin Gewessler hofft damit, Bürger zum Aussteigen aus dem Auto und Umsteigen in die Öffis motivieren zu können. In ihrer Verantwortung ist  das EU-Klimaziel beim Verkehr, wonach die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent (!) reduziert werden müssen.

Was kostet das Klimaticket den Steuerzahler?

Bis 2025 knapp über eine Milliarde Euro.  Die Länder bekommen vom Bund ab kommendem Jahr 150 Millionen Euro für das 3er-Ticket, die Summe steigert sich jedes Jahr um zehn Millionen.  Und für die Regionaltickets stehen insgesamt jedes Jahr 100 Millionen zur Verfügung.

Wenn ich von Linz nach Wien pendle, brauche ich  ein Ticket für Niederösterreich?

Ja.

Wien-Niederösterreich-Burgenland

Am letzten Tag vor dem Start gaben „Mobilitätsministerin“ Leonore Gewessler, Wiens Landeshauptmann und Bürgermeister Michael Ludwig, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Burgenlands Landeshauptmann bekannt, dass es auch für Ostösterreich eine Lösung gibt. Bisher war nicht klar, ob Ost-Österreich, wo der überwiegende Teil der Öffi-Pendler lebt, auch ein Angebot bekommen sollen. Die Verhandlungen spießten sich am Geld und der Tarifstruktur.

Die Einigung schaut so aus: Niederösterreich und das Burgenland werden als ein Bundesland bewertet, das Öffi-Jahresticket für beide Bundesländer wird 550 Euro kosten. Für Wien ändert sich nichts, das Bundesland hat ja als einziges seit einem Jahrzehnt ein Jahresticket um 365 Euro.

Somit wird das Jahresticket für alle Öffis in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland (es soll VOR-Metropolregions-Ticket heißen) 915 Euro kosten. (Wer will, kann nur im Oktober den Frühstarterbonus nutzen, und um 949 Euro gleich ein Jahresticket für ganz Österreich kaufen.)

Vom Ursprungsplan abgerückt

Die Einigung auf das Klimaticket, die Klimaministerin Leonore Gewessler mit allen neun Landesregierungen und den sechs Verkehrsverbünden und den ÖBB und der Westbahn ausgehandelt hat, ist zweifellos ein politischer Erfolg. Geworben hatte Gewessler aber für einiges mehr, nämlich für das 1-2-3-Klimaticket: Eine Jahreskarte um einen Euro pro Tag für ein Bundesland, für zwei Euro am Tag für zwei Bundesländer und für drei Euro am Tag für alle neun Bundesländer.

Die 1er-Stufe, ein Bundesland um 365 Euro, gibt es tatsächlich nur in Wien und in Vorarlberg, dort soll es sogar nur 355 Euro kosten.

In allen anderen Bundesländern ist es teurer.

In Tirol kostet das Jahresticket 509,40 Euro. In Salzburg kostet es 595 Euro, es soll aber nach Wunsch des Verkehrslandesrates künftig nur 365 Euro kosten.

In Oberösterreich kostet das Jahresticket 695 Euro. Nur regionaler Verbundraum OÖ exkl. Kernzonenverkehr Linz, Wels und Steyr wird 365 Euro (ermäßigt 274 Euro) kosten, OÖ inkl. Kernzonenverkehr Linz 621 Euro (ermäßigt 530 Euro), OÖ inkl. Kernzonenverkehr Wels: 604 Euro (ermäßigt 513 Euro) und OÖ inkl. Kernzonenverkehr Steyr: 604 Euro (ermäßigt 513 Euro).

Und in der Steiermark wird das Bundesland-Ticket erst ab 2022 gelten, es wird 588 Euro kosten ( ermäßigt um 441 Euro). 

Und das 2er-Ticket wird es nur in Niederösterreich und Burgenland geben, wie erwähnt um 550.- Euro. An den anderen 2er-Tickets werde noch gearbeitet bzw. verhandelt, heißt es dazu aus dem Klimaministerium.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.