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Milliarden-Kürzung: Schließung von Studienrichtungen laut Uni-Rektor "möglich"

Der Rektor der Universität Wien, Sebastian Schütze, warnte vor den Folgen der geplanten Einsparungen bei den Universitäten. Auch ein massiver Personalabbau steht dann im Raum.
Mehrere Studierende sitzen in einem Hörsaal und blicken zur Tafel nach vorne.

D.as Budgetdefizit trifft nun auch den heimischen Hochschulbereich: Am Montag wurden die Universitätsleitungen von der Bundesregierung über die bevorstehenden Kürzungen informiert. So sollen laut an den Universitäten kursierenden Zahlen für die 22 öffentlichen Hochschulen des Landes künftig 15,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen - ein Minus von einer Milliarde Euro im Zeitraum 2028 bis 2030.

Schütze warnt vor „starkem Personalabbau“ an Unis

Laut Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien, würden diese Kürzungen „in allen Bereichen“ spürbar sein, etwa durch negative Auswirkungen auf Studium und Lehre, eine sinkende Studienqualität und eine mögliche Zunahme der Studiendauer. Auch die Forschung würde davon betroffen sein: „Mit weniger Leuten wird man weniger Forschungsleistungen erbringen“, betonte der Rektor am Freitag im ORF III-Interview.

Uni Wien-Rektor: Einsparungen "jenseits jeder Proportion"

Auch gehe es bei einer Kürzung dieser Größenordnung um „starken Personalabbau“, so Schütze. Eine genaue Zahl möglicher Stellenstreichungen nannte er nicht. Betroffen seien einerseits Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, andererseits „sehr stark“ auch international gefragte Spitzenkräfte, „mit denen wir sehr oft verhandeln müssen, damit sie in Wien bleiben“

Einsparungen würden nicht ausschließlich beim Personal erfolgen, sondern auch bei Infrastruktur und in anderen Bereichen; Personalkosten seien jedoch „bei allen Universitäten der Kern des Budgets.”

Ein Mann im Anzug steht vor einem blauen Schild der Universität Wien.

Bei den Studienrichtungen seien „potenziell alle“ von der geplanten Budgetkürzung betroffen, sagte Schütze. Eine Unterscheidung zwischen großen und kleinen Fächern lehnte er ab und verwies darauf, dass bestimmte Studienrichtungen in Österreich nur an der Universität Wien angeboten würden bzw. generell im deutschsprachigen Raum selten seien, darunter etwa Judaistik und Byzantinistik. Zudem verwies er darauf, dass kleinere Fächer teils einen großen Beitrag zur Forschungsleistung tragen würden, etwa durch das Einwerben von Drittmitteln. 

Entscheidungen dürften nicht allein an Studierendenzahlen festgemacht werden, es gebe „viele Parameter“, betonte Schütze.

Künftig Studiengebühren?

Zum Thema Studiengebühren sagte Schütze, die Rektoren wünschten sich „definitiv keine“. Gleichzeitig habe man das Thema jedoch intern angesprochen. Wenn in das staatlich finanzierte Budget so stark eingegriffen werde, dass die Qualität der Universitäten nicht gehalten werden könne, müsse man „gemeinschaftlich darüber nachdenken, welche alternativen Finanzierungsquellen es gibt“, blieb Schütze vage zu dem Thema.

Zu angekündigten Demonstrationen der Universitäten und Hochschülerschaften am Mittwoch sagte er, er schätze die Chancen auf eine Änderung der Pläne als „sehr hoch“ ein. Er verwies auf die Mobilisierung unter Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unis sowie auf die öffentliche Debatten. Denn: "Universitätsbudgets sind nicht nur ein Thema der Universitäten". 

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