Politik | Inland
10.04.2017

Ungleiches Duell mit "Kampfpanzer"

"Im Zentrum" über die Grünen hinterließ vor allem peinliche Fragen über die Einladungspolitik.

Der frühere Kanzlersprecher Josef Kalina nennt ihn einen " Kampfpanzer".

Rudolf Fußi selbst bezeichnete sich lieber als einen "dicken Mann mit tiefer Stimme", der Diskussionsteilnehmer schon mal gern rhetorisch an die Wand drückt.

Kampfpanzer?

Dicker Mann?

Wie auch immer man man PR-Berater Rudolf Fußi beschreiben mag. In der TV-Konfrontation "Im Zentrum" am Sonntagabend nahm der 38-Jährige eine jedenfalls eindeutige Rolle ein – nicht die des nüchternen Analytikers, sondern die des angriffigen Artilleristen auf der Seite von Parteichefin Eva Glawischnig. In de facto jeder Wortmeldung attackierte Fußi Glawischnigs Kontrahentin, die Chefin der Jungen Grünen, Flora Petrik.

Eine halbe Million ORF-Zuschauer sah dem Treiben zu, und den früheren Parade-Grünen Johannes Voggenhuber magerlte das besonders. Der Grund: Voggenhuber wurde, wie er via Facebook kundtat, ausgeladen. "Anstelle eines ,Anwalts‘ für die rebellierenden Jungen brauchte man nun einen rhetorischen Bullterrier, einen Mann fürs Grobe, an der Seite der angeschlagenen Bundessprecherin", befundete der streitbare Alt-Grüne spöttisch.

Warum schafft es Rudolf Fußi als willfähriger Adjutant von Grünen-Chefin Glawischnig statt des kritischen Alt-Grünen Voggenhuber in den Sonntagabend-Talk?

Im ORF stellt man diese Darstellung in Abrede: "Wir lassen uns von niemandem Vorgaben bei der Einladungspolitik der Gäste machen", sagt Sendungsverantwortlicher Robert Stoppacher, zum KURIER. Geht’s nach dem ORF, dann hat Voggenhuber einfach schlecht zugehört: "Wir haben mit 20 bis 30 Personen geredet, haben die Situation bei den Grünen recherchiert und uns Gäste für die Sendung überlegt."

Bis vergangenen Donnerstag sei unklar gewesen, ob Glawischnig und Petrik, also die zentralen Darstellerinnen des Konflikts, kommen würden. "Voggenhuber wurde gefragt, ob er theoretisch Zeit hätte, mehr nicht."

Und Fußi? "Ihn haben wir eingeladen", sagt Stoppacher, "weil Glawischnig die Parteikrise als ein Kommunikationsproblem bezeichnet hat und Fußi als Experte für politische Kommunikation gilt."

Der Einladung des vielseitigen Politik-Aktivisten – er war bei "Demokraten" und "Unabhängigen", betätigte sich in der SPÖ und beriet zuletzt auch das Team Stronach – ist zumindest hinterfragenswert. Der PR-Experte war wirtschaftlich mit dem Chef der Grünen Wirtschaft in Wien, Hans Arsenovic, verbandelt – man gründete gemeinsam die Kommunikationsagentur "mindworker", Fußi hat Arsenovic bereits aus der Firma ausgekauft.

Macht "mindworker" mit den Grünen Geschäfte? Hat Fußi allenfalls ein Beratungsmandat mit Glawischnig oder den Grünen?

"Alles Unsinn", sagt Fußi zum KURIER. "Ich habe keinen einzigen Auftrag von den Grünen bekommen – und dabei wird es auch bleiben."