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Politik Inland
03/14/2020

Umfrage zur Coronakrise: Zwei von drei befürworten Regierungs-Maßnahmen

Angst vor Infektion und Jobverlust gering, Kanzler und Gesundheitsminister machen guten Job

von Johanna Hager

Schulschließungen ab Montag in ganz Österreich. Absage von Veranstaltungen mit über 100 Menschen. Vorzugsweise arbeiten von zu Hause statt in der Firma.

Die von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus’ bestmöglich zu reduzieren, finden hohe Zustimmung in der Bevölkerung. „Zwei von drei Österreichern stehen hinter dem Plan der Regierung. Und zwar quer durch alle Bevölkerungsgruppen und quer durch das Parteienspektrum“, sagt OGM-Chef und Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer.

58 Prozent der 515 für den KURIER Befragten halten die Maßnahmen für richtig – bei den über 50-Jährigen sind es gar 67 Prozent. Gemessen am Alter erachten einzig die unter 30-Jährigen die Einschränkungen für mehrheitlich (60 Prozent) übertrieben. Das mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 bis dato insgesamt relativ gering ist.

"Sehr große Angst"

Sechs Prozent der Befragten geben an, dass sie „sehr große Angst“ vor einer Infektion haben. Mehr als die Hälfte der Befragten – 51 Prozent – haben „weniger“ und 25 Prozent „gar keine Angst“. Während sich die unter 30-Jährigen mit 89 Prozent kaum bis keine Sorgen wegen einer Ansteckung machen, denken Ältere andere. 31 Prozent der über 50-Jährigen gibt an „eher“ oder „sehr Angst“ zu haben. Menschen, die über 70 Jahre alt sind, gehören auch zu der gefährdeten Personengruppe.

In Maßen zu den vergleichsweise restriktiven Einschränkungen der Regierung hält sich auch die Sorge vor unmittelbaren, wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus’.

35 Prozent haben „gar keine“, 34 Prozent weniger Angst, dass sie oder ein Mitglied ihrer Familie den Arbeitsplatz verlieren könnte.

Wenig Jobverlust-Angst

Geht es nach politischen Parteien, so haben freiheitliche Wähler mit 10 Prozent am meisten Angst vor einem Jobverlust, gefolgt von Neos-Wählern (8 Prozent) und ÖVP-Wählern (7 Prozent). Die wenigsten Jobsorgen machen sich SPÖ-Wähler. 43 Prozent von ihnen geben an, „gar keine Angst“ zu haben. „Generell halten sich die Sorgen noch in Maßen“, sagt Bachmayer. „Die mittlere Altersgruppe macht sich aber schon mehr Sorgen.“

43 Prozent der unter 50-Jährigen geben an, „sehr“ und „eher“ Angst zu haben, dass ihr Arbeitsplatz durch die Folgen des Coronavirus’ gefährdet ist. Am wenigsten Sorge hat auch in dieser Frage die Gruppe der unter 30-Jährigen. 45 Prozent geben an, „gar keine“ Angst zu haben.

Unmerklich aber doch, gibt es bezüglich Arbeitsplatz auch ein Stadt-Land-Gefälle. Städter – vor allem in Wien – sind eher besorgt als Menschen am leben. Unabhängig von Ort, Alter und Geschlecht gilt es ab sofort seine Lebensgewohnheiten zu ändern.

„Ein Viertel weniger Sozialkontakte bedeutet nahezu eine Halbierung des Ansteckungsrisikos“, weiß Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Aus diesem Grund werden die Österreicher auch aufgefordert, eher zuhause zu bleiben und Veranstaltungen zu meiden. 52 Prozent der Befragten geben denn auch an, ab sofort weniger auszugehen. Einzige Ausnahme sind auch in dieser Frage die unter 30-Jährigen. In Relation „nur“ 27 Prozent geben an, Veranstaltungen zu meiden. Mehr als doppelt so viele, nämlich 63 Prozent der über 50-Jährigen hingegen sagen, dass sie weniger unterwegs sind als bisher. „Die Jüngeren scheinen sich angesichts all dieser Ergebnisse noch nicht bewusst zu sein, dass auch sie ihre Kontakte beschränken müssen“, resümiert Bachmayer.

Händewaschen ist Muss

Bei allen Altersgruppen angekommen ist, dass das Waschen der Hände gegenwärtig das Um und Auf ist. Und zwar öfter am Tag und mindestens 30 Sekunden lang. 75 Prozent sagen, dass sie seit dem das Coronavirus bekannt ist, öfter die Hände waschen. 58 Prozent geben weniger oft die Hände zur Begrüßung. Und ein Viertel bleibt soweit wie möglich zu Hause und nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel weniger oft als sonst.

De facto kein Thema war bislang das Tragen von einem Mundschutz in der Öffentlichkeit (2 Prozent), der Antrag auf Home-Working (2 Prozent) und Home-Learning für Kinder (1 Prozent). Diese Angaben werden sich je nach Ansteigen der Infektionszahlen rasch ändern können, gibt Bachmayer auf KURIER-Nachfrage zu Bedenken. Nur ein Prozent hat sich auf COVID 19 testen lassen.

Täglich und oft mehrmals sind Kanzler Kurz, Regierungsmitglieder und Sozialpartner vor die Medien getreten. Das hat Aufmerksamkeit und einigen Sympathiepunkte gebracht. 38 Prozent der Befragten geben an, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz im Krisenmanager eine gute Figur macht. 33 Prozent sagen das über den grünen Gesundheitsminister Rudolf Anschober, der den Medien derzeit permanent Rede und Antwort stehen – muss. „Grüne und rote Anhänger versagen Kurz in dieser Frage die Anerkennung“, so Bachmayer.

Wenig Lob von Links

Nur 5 Prozent der SPÖ-Wähler und 6 Prozent der Grün-Wähler sagen, dass Kanzler Kurz einen guten Job macht. Durchwegs wertgeschätzt wird die Arbeit Anschobers. Bis auf FPÖ-Wähler, die ihn nur zu 12 Prozent befürworten. Für 4 Prozent macht derzeit Innenminister Karl Nehammer gute Arbeit und für ein Prozent die erste Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. „Das kann sich aber mit dem zunehmendem Einsatz von Polizei oder Militär rasch ändern“, sagt Wolfgang Bachmayer.