Umfrage: Schwaches Vertrauen in Politik, aber starkes Interesse daran
Zusammenfassung
- Vertrauen der Österreicher in politische Institutionen ist gering, Interesse an Politik jedoch hoch.
- Polizei, Arbeiterkammer und Bundesheer genießen das höchste Vertrauen, während Regierung und EU am Ende des Rankings stehen.
- Nur wenige Österreicher möchten sich aktiv in Parteien engagieren, bevorzugen aber niedrigschwellige Beteiligungsformen wie Petitionen.
Das Vertrauen der Österreicher in die Politik ist aktuell mäßig. Das zeigt eine neue Umfrage von "Das Zielgruppen Büro" unter 1.000 Personen über 16. Demnach vertrauen gerade einmal 25 Prozent der Bundesregierung und 35 Prozent der jeweiligen Landesregierung. Selbst bei der Gemeindevertretung sind es lediglich 44 Prozent. Dabei ist das Interesse der Österreicher an Politik überraschend groß.
29 Prozent der Befragten bezeichneten sich als sehr interessiert, 41 Prozent als eher interessiert. Doch ist der Glaube, selbst etwas bewirken zu können, eingeschränkt. Nicht einmal jeder Fünfte Befragte (17 Prozent) meint, er habe starke Einflussmöglichkeiten. 45 Prozent sind der Ansicht, sie hätten wenig oder gar keine Chancen.
Polizei an der Spitze des Vertrauensrankings
Was die Einschätzung unterschiedlichster Institutionen angeht, zeigt sich ein differenziertes Bild. So finden gleich 82 Prozent die Polizei vertrauenswürdig. Starke Werte gibt es auch für Arbeiterkammer (79 Prozent) und Bundesheer (70 Prozent). Angesichts der Turbulenzen in der Organisation überraschend schon auf Rang vier erscheint die Wirtschaftskammer (54 Prozent). Studienleiter Matthias Rohrer verweist diesbezüglich darauf, dass ein relativ großer Teil der Befragten hier gar keine Einschätzung abgeben wollte, die Wirtschaftskammer daher offenbar im Leben vieler Menschen keine so große Rolle spiele.
Ein passables Ergebnis zeigt sich für den ORF, den in etwa gleich viele Befragte für glaubwürdig bzw. unglaubwürdig halten (45 zu 47 Prozent). Am Ende des Rankings finden sich EU, Bundesregierung und Industriellenvereinigung, wobei bei den Negativ-Nennungen die Regierung unangefochten an der Spitze liegt.
Nur 19 Prozent können sich Engagement in einer Partei vorstellen
Beim eigenen Engagement sind jene Aktivitäten am beliebtesten, die nicht viel Aufwand bedeuten. An der Spitze stehen die Teilnahme an einer Volksbefragung bzw. das Unterfertigen einer Petition. Immerhin 37 Prozent wären bereit, bestimmte Güter zu boykottieren. In einem gemeinnützigen Verein aktiv zu werden, können sich 31 Prozent vorstellen. In einer Partei mitzuarbeiten kommt nur für 19 Prozent in Frage.
Durchgeführt wurde die am Donnerstag in einer Pressekonferenz vorgestellte Studie anlässlich der von P&B organisierten IDEALE Konferenz, der nach eigenen Angaben ersten Konferenz in Österreich, die wertebasierte Kommunikation, Kampagnen und Strategie in den Mittelpunkt stellt.
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