Tirol: So tickt das Land zwischen Kitsch, Kitz-Loch und Klischee

Tirol: So tickt das Land zwischen Kitsch, Kitz-Loch und Klischee
Politik und Tourismus zeichnen Bilder vom alpinen Bundesland, die mit der Lebensrealität vieler Bewohner längst nichts mehr zu tun haben. In der Außenwirkung greift das.

Wenn am heutigen Sonntagabend nach 17 Uhr die ersten Hochrechnungen zu den Tiroler Landtagswahlen im Fernsehen zu sehen und die ersten Analysen zu hören sein werden, dann kommt es so sicher wie das Amen im Gebet. Dann wird wieder die Rede vom „Heiligen Land Tirol“ sein.

Und dann werden sich viele Tiroler wieder fragen: Was für ein heiliges Land? Das geflügelte Wort ist ein Inbegriff von tradierten Tirol-Klischees, die mit der Lebensrealität der Mehrzahl seine Bewohner nichts zu tun haben. Das fängt bei der vermeintlichen Gläubigkeit an und hört dort noch lange nicht auf.

764.000 Menschen leben in Tirol. Bei den Landtagswahlen sind 535.112 von ihnen wahlberechtigt. 

Neun Parteien treten zur Wahl an. Landesweit kandidiert neben den bereits im Landtag vertretenen Parteien – ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, Neos und Liste Fritz – noch die MFG. KPÖ und „Mach mit“ stehen nur in einzelnen Bezirken am Stimmzettel. Wahlschluss ist 17 Uhr.
 

Tirol: So tickt das Land zwischen Kitsch, Kitz-Loch und Klischee

Goldenes Dachl in Innsbruck 

Wie in ganz Österreich sinkt die Zahl der Katholiken auch in Tirol stetig. 2019 waren es in der Diözese Innsbruck noch 374.000. In dem Vor-Corona-Jahr fanden sich an Zählsonntagen aber nur noch bis zu 45.000 Gläubige in der Kirche zum Gottesdienst ein, zehn Jahr zuvor waren es noch fast 70.000. Das Brauchtum, vielfach mit kirchlichen Festen verbunden und vom Land großzügig gefördert, wird in Tirol zwar hochgehalten. Aber das beißt sich nicht mit einem modernen Lebensstil.

++ THEMENBILD ++ TIROL-WAHL: WAHLPLAKATE FPÖ/NEOS/LISTE FRITZ/SPÖ/ÖVP

In Innsbruck drücken 35.000 Studenten dem Leben ihren Stempel auf. Architekten haben das Bundesland mit dem Inntal und seinen Nebentälern in einer Studie bereits 2005 als „Tirol City“ gedacht – als urbanen Raum. Die Realität hat sich diesem Ansatz seither genähert.

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