Politik | Inland
13.11.2018

Telekom zahlte – nur Hühnerweitflug-Wettbewerb nicht

Skurrile Wunschliste: Ex-Telekom-Boss Rudolf Fischer plauderte über kostspielige und teils absurde Wünsche der Politiker.

Die Rollenverteilung in der „schwarzen Kassen“-Show der Telekom verlief ungefähr so: Die Politik hatte absurde Wünsche an das Unternehmen – und ihr ehemaliger Vorstand Rudolf Fischer, der nun Hauptangeklagter im Telekom-Prozess ist, agierte quasi als Weihnachtsmann.

So benötigte Wiens weinaffiner Bürgermeister Michael Häupl 2007 rund 25.000 Euro für sein Wiener Weinfest – selbstverständlich konnte Fischer das Herzensprojekt des Machtpolitikers nicht ablehnen. Arrangiert wurde der Deal angeblich in einem Hinterzimmer bei einem Fest des Teppichhändlers Ali R.

Selbst die Ex-Grüne Monika Langthaler und ihr Filmhofprojekt profitierten von der Spendierhosen-Mentalität der Telekom.

Das Sponsoring für den Filmhof im Weinviertel habe sich auch Erwin Pröll gewünscht, schilderte Fischer. Langthaler wiederum habe ein gutes Gespräch mit Pröll organisiert, meinte Fischer, es sei um eine Tochtergesellschaft der EVN gegangen. Die Bundes-ÖVP wünschte sich ein jährliches Sponsoring von 100.000 Euro.

Hühner-Wettbewerb

Angesichts der fast unendlichen Wunschliste will Richterin Marion Hohenecker wissen, ob Fischer auch einmal abgelehnt habe. „Ja. Denn einige Wünsche waren makaber“, meint Fischer.

„Welche?“, fragt die Richterin nach. „Das Sponsoring für den Hühnerweitflug-Wettbewerb. Ein Minister wünschte sich das“, erklärt Fischer. Die sonst so kühle Richterin zerkugelte sich regelrecht über die skurrile Antwort. Die Kleine Zeitung will wissen, um welchen Minister es sich handelt – nämlich Ex-FPÖ-Verkehrsminister Mathias Reichhold.

Als „politische Landschaftspflege“, um ein besseres Gesprächsverhältnis zu den Entscheidungsträgern zu bekommen, schilderte Fischer die „Sie wünschen, wir spielen“-Methode von damals. „Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass diese Zahlungen für Parteien als Investition gedient haben und uns sehr geholfen haben“, verteidigte sich Fischer.

Auch Walter Meischberger – er sitzt als Drittangeklagter vor Gericht – und Karl-Heinz Grasser standen heute im Fokus. Mit dem Telekom-Geld, das bei Hocheggers Agentur Valora gebunkert war, wurden mehrere Umfragen über den damaligen Finanzminister bezahlt. Das Market Institut hat dafür sieben Rechnungen gestellt. Die verschiedenen Rechnungsgründe lauteten etwa „Image der Politiker“, „das Privatleben von Karl-Heinz Grasser“, „der Mehrwert von Karl-Heinz Grasser“ oder „Kandidatur von Karl-Heinz Grasser“. Pro Rechnung wurden zwischen 5000 und 6000 Euro verrechnet.

Meischberger kassierte jahrelang monatlich 10.000 Euro Telekom-Geld, ausbezahlt von Hocheggers Valora. „Es ging uns um eine stärkere politische Bindung an die FPÖ“, sagte Fischer. Denn Meischberger habe seine Kontakte aus seiner FPÖ-Zeit weitergetragen. Der Beginn der Zusammenarbeit sei davon geprägt gewesen, dass Meischberger ein gutes Verhältnis zu Grasser hatte – „ohne Frage“, räumte Fischer ein. Die Gespräche von Meischberger hätten der Telekom sehr geholfen, Fischer ist heute von Meischbergers Leistungen überzeugt.

Und dann gab es noch eine Golfreise nach Bilbao mit Grasser und Meischberger – laut Anklage zum Privatvergnügen. „Stimmt nicht“, sagte Fischer. Die Telekom wollte einen Golfplatzbau finanzieren und traf sich mit einem Golfplatzdesigner. Doch dann passierten 2004 die Terroranschläge in Madrid – deswegen benötigte man den Flug nach Wien mit dem Privatjet um knapp 12.000 Euro.