Politik | Inland
13.11.2018

Telekom-Prozess: Kein Geld für Hühnerweitflug-Wettbewerb

Ex-Festnetzvorstand Rudolf Fischer beschreibt die Telekom am vierten Verhandlungstag als "Weihnachtsmann" für die Politik.

Am vierten Tag des Telekomprozesses muss zwar nicht Walter Meischberger  der Richterin Marion Hohenecker Rede und Antwort stehen, trotzdem steht er im Mittelpunkt.

Bei der Einvernahme des Hauptangeklagten Rudolf Fischer ging es um seine Leistungen für die Telekom Austria. Thema war auch ein Flug nach Bilbao - laut Staatsanwaltschaft ein privater Golfausflug von Ex-Telekom-Boss Rudolf Fischer, Karl-Heinz Grasser, Ernst Plech und Walter Meischberger. "Stimmt nicht", sagte Fischer heute vor Gericht. Die Telekom habe damals viel in Golf-Sponsoring investiert. Die Idee war, dass die Telekom sich am Bau eines Golfplatzes beteiligt. In Bilbao habe er sich mit einem Golfplatzdesigner getroffen, das Projekt besprochen und dann auch eine Runde Golf mit Meischberger, einem Golf-Pro und Grasser gespielt. Am Nachmittag sei dann aber der Terroranschlag in Spanien (Anmerkung der Redaktion: Zuganschlag in Madrid im März 2004, bei dem 191 Menschen starben) passiert, deswegen benötigte man einen sogenannten "Bedarfsflieger“, um wieder rechtzeitig vor Wochenstart in Wien zu sein.

Stolze 11.950 Euro kostete der "Not-Flug" nach Wien. "Alle wollten heim. Aber wie?“, schilderte Fischer die Situation. Meischberger habe den Bedarfsflieger-Unternehmer Lukas Lichtner-Hoyer gekannt und den Flug organisiert. Verrechnet hat Meischbergers Agentur "1040" die 11.950 Euro an Hocheggers Agentur Valora - allerdings unter einem anderen Titel. "Warum ist das so passiert?", will die Richterin wissen. "Das war unglücklich, denn es wäre gar kein Problem gewesen, das über die Telekom abzurechnen“, erklärt Fischer

Weitflug mit Hühnern

"Erwin Pröll hat es sich gewünscht“

Am späten Vormittag befragte die Richterin Fischer auch über die diversen und zahlreichen Politsponsorings. Die Telekom Austria scheint für die Politik der "Weihnachtsmann“ gewesen zu sein. Die Politik hatte eine Wunschliste und die Telekom erfüllte diese. Ex-Telekom-Boss Rudolf Fischer plauderte aus dem "Nähkästchen“ mit welchen Wünschen die Parteien an ihn herangetreten seien. Rund 100.000 Euro wünschte sich etwa die ÖVP pro Jahr als Sponsoring. "Ich habe das als Investition gesehen, nicht als Gift (engl. für Geschenk, Anm.) oder als Präsent. Wir mussten in diese Netzwerkstruktur investieren.“ Dadurch habe die Telekom viele Vorteile lukriert, etwa bei Ausschreibungen oder bei Subventionen. 

Auch der Filmhof von der Ex-Grünen-Abgeordneten Monika Langthaler erhielt von der Telekom ein Sponsoring. "Warum Langthaler?“ will die Richterin wissen. Kurzfristig sei ein Tischsponsor beim Filmfestival ausgefallen, da habe der Ex-ÖVP-Politiker Franz Morak angerufen und dieses Sponsoring in die Wege geleitet. "Auch der Landeshauptmann Erwin Pröll habe sich das Sponsoring für den niederösterreichischen Filmhof gewünscht. Monika Langthaler hat Pröll sehr gut gekannt.“, schildert Fischer.

"Hühnerweitflug-Wettbewerb abgelehnt“

Angesichts der ausufernden Sponsoringliste für die Politik wollte die Richterin wissen, ob Fischer auch einmal einen Wunsch abgelehnt habe. "Ja“, meinte Fischer. Denn einige Wünsche waren auch sehr "makaber“ oder "lustig". "Was beispielsweise?“, wollte die Richterin wissen. "Ein Minister hat mich angerufen und mich um ein Sponsoring für den Hühnerweitflug-Wettbewerb gebeten. Das habe ich abgelehnt“, erzählte Fischer. Die Richterin amüsierte sich köstlich über die Schilderung und ging in eine kurze Prozesspause.

Reichhold: Diente gutem Zweck

Kurz danach outete sich dann der ehemalige Verkehrsminister Mathias Reichhold ( FPÖ) via APA als Spendensammler für die "Weitflug-Meisterschaft für Hühner", um die Sache ins richtige Licht zu rücken. "Das war kein Selbstzweck, sondern eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der Opfer der damalige Flutkatastrophe", betonte Reichhold.

Damals, 2002, habe "jeder irgendeine Veranstaltung gemacht, um den Leuten zu helfen". Die Veranstaltung habe es davor schon zwei oder drei Mal gegeben, um behinderten Kindern zu helfen. "Das war der Ausgangspunkt für diese Veranstaltung. Der Reinerlös ist Kindern zugute gekommen. In dem Jahr ist er dann den Flutopfern zu gute gekommen."

Etwas bitter fügt Reichhold noch an: "Wahrscheinlich wäre es für das Image der Telekom besser gewesen, sie hätte dort eine Spende gegeben, als einen Privatjet zu finanzieren."

 

Meischberger war für die Telekom der Türöffner zu FPÖ, weil der Ex-Telekom-Boss Fischer keine Kontakte zu den Blauen hatte. "Die gesamte Thematik wurde von mir über Meischberger abgewickelt.“ 

So wickelte der Freund des damaligen Finanzministers auch die Inserate in der FPÖ-nahen Zeitung Die Freie Presse ab. Rund 105.000 Euro bekam die Zeitung damals. FPÖ-Minister Hubert Gorbach habe Fischer um eine Sponsor-Zusage gebeten. "Politische Landschaftspflege“ nennt Fischer das im Prozess. 

Meischberger erhielt 2005 auch einen Beratervertrag von der Telekom. Ein Pauschalhonorar von 10.000 Euro pro Monat wurde vereinbart. Allerdings rechnete Meischberger für die ersten sechs Monate gleich 70.000 Euro ab. Den Grund kann Fischer nicht erklären. "Da müsste ich jetzt lügen“, so Fischer. Auch Meischberger ist anfangs ratlos, warum die Honorarnote 70.000 Euro ausmachte. Da hilft Meischbergers Anwalt Jörg Zarbl der Erinnerung der beiden Angeklagten auf die Sprünge. "Es wurde ausgemacht, dass die Honorarnoten 14 Mal pro Jahr verrechnet werden können.“

Telekom-Prozess wird fortgesetzt