Studieren am Limit: Sozialerhebung 2025 zeigt hohe finanzielle und psychische Belastung

Explodierende Wohnkosten, die allgemeine Teuerung und immer mehr psychische Probleme: Wie geht es den Studierenden in Österreich?
Studieren am Limit: Sozialerhebung 2025 zeigt hohe finanzielle und psychische Belastung
Die Lebensrealität von Studierenden in Österreich ist zunehmend von finanziellem Druck und Doppelbelastungen geprägt. Die aktuelle „Studierenden-Sozialerhebung 2025“ des Instituts für Höhere Studien (IHS) verdeutlicht, dass explodierende Wohnkosten und die allgemeine Teuerung ein Studium ohne Erwerbsarbeit für viele unmöglich machen. Sowohl die Arbeiterkammer (AK) als auch die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) fordern weitreichende politische Maßnahmen.

Zusammenfassung der Studie:

Arbeiten als Notwendigkeit
Die harten Zahlen der Studie belegen die angespannte Lage: 68 % der Studierenden arbeiten neben dem Studium, im Durchschnitt 20,2 Stunden pro Woche. Was oft als Karriereschritt dargestellt wird, ist in Wahrheit ein strukturelles Problem: Für 71 % der Studierenden ist Erwerbsarbeit keine freie Entscheidung, sondern für die Bestreitung der Lebenserhaltungskosten ein Muss. Dies geht zulasten der Bildung, denn ab einem Ausmaß von 11 Wochenstunden sinkt bereits der Studienerfolg.
Wohnkosten 
Besonders die steigenden Wohnkosten setzen die Studierenden massiv unter Druck: Diese sind in den vergangenen zehn Jahren um enorme 51 % gestiegen. Von jedem zur Verfügung stehenden Zehner müssen 4 Euro (38 %) allein für das Wohnen bezahlt werden. Bildung wird in Österreich zudem weiterhin stark vererbt: 54 % der Studierenden sind „First-Generation-Students“.
Psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit
Der Druck hinterlässt auch gesundheitlich Spuren: 46 % der Studierenden geben ein (stark) eingeschränktes Wohlbefinden an. Gleichzeitig fallen viele Förderungen weg: Die Bezieher_innenquote der Familienbeihilfe ist auf 39,7 % gesunken, bei der konventionellen Studienbeihilfe auf 11,1 %. Insgesamt geben 25 % der Studierenden an, (sehr) stark von finanziellen Schwierigkeiten betroffen zu sein.
Psychische Gesundheit Studierende

Forderungen 

Die Arbeiterkammer warnt angesichts der Daten davor, dass der Erwerbsdruck den Studienerfolg gefährdet und zu einem Systemproblem wird. AK-Präsidentin Renate Anderl betont: „Bildung und Weiterentwicklung soll allen in Österreich möglich sein, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dafür muss dann auch der Staat beisteuern“. Die AK fordert eine starke Anhebung der Studienbeihilfe, mindestens über die Armutsgefährdungsschwelle.
 
Besonders im Fokus der AK steht die Doppelbelastung durch Teilzeitarbeit: „Wer arbeitet und studiert, leistet doppelt – und verdient faire Bedingungen“. Im Rahmen einer aktuellen Kampagne mit Petition fordert die AK deshalb, dass für Mehrstunden bei Teilzeit 50 Prozent Zuschlag gelten müsse, analog zu Überstunden bei Vollzeit.

ÖH: Beihilfen-Reform und 5€-Mensa-Menü

Für die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) sind die Zahlen ein klares Alarmsignal an die Politik. Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz kritisiert: „Hinter jedem Witz darüber, dass Studierende sich gegen Monatsende nur mehr Nudeln mit Pesto leisten können, steckt eine harte Realität: Studierendenarmut ist ein Dauerzustand, der zu oft auf die leichte Schulter genommen wird“.
 
Die ÖH weist darauf hin, dass die durchschnittliche Förderhöhe der Studienbeihilfe mit 684 € weit unter der Armutsgefährdungsgrenze von 1.661 € liegt.
Zudem stelle die fehlende Valorisierung der Familienbeihilfe 2026 eine weitere soziale Belastung dar. Viktoria Kudrna (ÖH-Vorsitz) fordert eine Trendwende: „An einer Erhöhung der Studienbeihilfe und der automatischen Antragstellung führen für uns langfristig kein Weg vorbei“. Weiters verlangt die ÖH die Ausfinanzierung der Wohnheimförderung im Budget.
 
Trotz der dramatischen Lage haben die Studierendenvertretung auch einen Erfolg verkünden können: Das flächendeckende 5€-Mensa-Menü kommt. Umut Ovat (ÖH-Vorsitz) sieht darin ein wichtiges Zeichen für alle Studierenden: „Hier hat sich die Hartnäckigkeit der ÖH klar ausgezahlt!“

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