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Politik Inland
05/17/2019

Strache zu Küssel: "Keinen Kontakt und nichts mit ihm zu tun"

Der aus der Haft entlassene Rechtsextreme Küssel erinnert sich an Strache. Der Vizekanzler will darauf "sicher nicht reagieren"

von Bernhard Gaul, Johanna Hager

„Zu diesem Thema habe ich in der Buchaufarbeitung von Claudia Reiterer und Nina Horacek alles gesagt  und aufgearbeitet. Ich empfehle dort nachzulesen und zu zitieren. Auf Äußerungen des Herrn K. reagiere ich sicher nicht und habe mit ihm auch nichts zu tun und habe auch keinen Kontakt!“ Das sagt Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf KURIER-Nachfrage, nachdem ein Interview brisanten Inhalts publik wurde.

Gottfried Küssel, erst Ende Jänner aus der Haft entlassener Rechtsextremer, gab in einem deutschen rechtsextremen Druckwerk ein neunseitiges Interview. Darin deutet der wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu sieben Jahren und neun Monaten Haft Verurteile an, brisante Informationen über Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache zu haben.

Strache habe "nie unsere Blutgruppe gehabt, aber im stillen Kämmerlein hat er den großen Nationalsozialisten gespielt. Da gab es einige lustige Auftritte, über die will ich jetzt aber nicht reden, vielleicht brauchen wir das nochmal ...," zitiert das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands aus dem Interview.

Und weiter im Interview mit Küssel: Strache habe an den VAPO (Volkstreue außerparlamentarische Opposition)-Wehrsportaktionen nie teilgenommen. "Einige akademische Korporationen" hätten "parallel zu uns sowas Ähnliches gemacht, teilweise waren das Bekannte von uns, da war Strache auch mit bei".

Kennengelernt habe Küssel den heutigen Vizekanzler, als dieser "etwa 14 war" (circa 1983). In den 1980er-Jahren habe der heutige Vizekanzler "für unsere damalige 'Ausländer-Halt-Bewegung' an Wahlkampfaktionen teilgenommen".

Experte: "Küssel deute an, Strache sei erpressbar"

Für Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv ist "klar, dass Küssel andeuten will, Strache sei erpressbar. Ob das lediglich der eigenen Profilierung dient oder auch Substanz hat, wissen wohl Küssel, Strache und deren ehemalige Weggefährten allein."

Küssels Aussage wäre relativ belanglos, wenn Strache mit seiner Vergangenheit aufrichtiger umgehen würde", meint Weidinger weiter : "Etwa so, wie Sellner das macht. Der Unterschied zwischen den beiden ist ja, dass einer seine Vergangenheit im Neonazismus nicht leugnet. Wenn Strache sagen würde: 'ja, ich war in neonazistischen Kreisen aktiv und verkehrte mit Neonazis, weil sie Neonazis waren - aber das war ein Fehler und ist lang vorbei', und nicht `ich habe dort einmal vorbeigeschaut, diesen oder jenen einmal getroffen, und (den 1992 verstorbenen deutschnationalen und rechtsextremen Politiker Norbert, Anm.) Burger kannte ich nur, weil ich seine Tochter liebte, aber Teil der Szene war ich nie' - dann würde die Frage der Erpressbarkeit sich nicht stellen", sagt Weidinger zum KURIER. "Denn egal was Küssel im Talon haben mag, es würde zur Erzählung passen."

"Rechtlich klären - oder zurücktreten"

Für Thomas Drozda, Bundesgeschäftsführer der SPÖ, sind die "einschlägigen Verbindungen des Vizekanzlers und FPÖ-Chefs in die Neonazi-Szene alles andere als überraschend und mittlerweile gut dokumentiert. Ich wundere mich aber, warum ich gestern (Donnerstag, Anm.) im Plenum einen Ordnungsruf von Präsident Wolfgang Sobotka erhalten habe, weil ich diese Verbindungen mittels Zitat von Daniel Kehlmann angesprochen habe."

Was den Vizekanzler betrifft: "Strache muss die Causa Küssel – auch auf rechtlichem Wege – klären oder unverzüglich zurücktreten", so Drozda.

NEOS-Sprecherin für Inneres, Stephanie Krisper, erklärte zu den Interview-Passagen: „Es kann nicht sein, dass einer der berüchtigtsten Neonazis der Republik Druck auf den Vizekanzler der Republik ausüben kann. Die Bürger haben es sich verdient, sich nicht mehr wundern zu müssen, was alles geht unter einer Regierungsbeteiligung der FPÖ.“